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Der Sudan....

...verlangt einem alles ab!

Tag 23 - 28.07.2009 – Dienstag –Assuan – Wadi Halfa, endlich im Sudan-

Die Fähre legt um ca. 12 Uhr 30 an, dann wie immer hier in Afrika langes Warten, bis man aus dem Schiff rauskommt, viel Bürokratie an der Grenze (obwohl das nur für uns ist, die Motorräder kommen auf dem Schlepper erst morgen an) dann mit einem vollkommen überfüllten Minitaxi in`s ca. 2 km entfernte Wadi Halfa.

Beim Taxistopp springe ich gleich raus und habe für Ryan und Ian und uns nach Zimmern gefragt, die haben hier im Nile Hotel nur 4-Bett-Zimmer, ist mir heute aber total egal! Ich lasse mir noch ein Zimmer zeigen und kann`s kaum glauben aber wir können eh nicht aus, es gibt nur 3 oder 4 Hotels hier, die sind alle gleich mies lt. Lonely Planet und alle schnell ausgebucht, weil viele, die mit der Fähre, die nur einmal wöchentlich kommt, hier übernachten. Die Zimmer sind unsäglich, Sandboden, 4 „Betten“, ein kleiner wackliger Tisch, Schluss! Ich lasse mir noch die Duschen und die Toiletten zeigen und bin froh, dass man wenigstens duschen kann.

Wir beschließen, dass wir uns zu viert ein Zimmer teilen, es ist nämlich ziemlich schnell klar, dass wir die Bettgestelle sowieso nach außen stellen, für innen ist es viel zu heiß! Und dann gehe ich gleich duschen und da kommt das richtige „basic“ zum Vorschein: ich stehe schon unter dem Duschkopf, erst da sehe ich, dass da bestimmt schon seit Jahren kein Wasser mehr rausgekommen ist! Die Sudanesinnen zeigen mir draußen den Tank, da kommt praktisch von der Luft erhitztes Wasser raus, das muss man sich in einen der appetitlichen Tröge füllen, mit einer abgeschnittenen Wasserflasche aus dem Trog nehmen und dann halt über den Kopf kippen! Aber irgendwie ist auch das dann erfrischend und es geht auch!!!

Wir gehen noch mit den netten Engländern zum essen, ein Deutscher, der Willi von den Overlandern, schließt sich an. Das Essen ist wirklich gut und es ist noch ein recht lustiger Abend! Die Nacht unter dem gigantischen Sternenhimmel schlafe ich dann recht gut, es wird später dann sogar noch so kühl, dass man sich den Schlafsack zumachen muss!

Tag 24 - 29.07.2009 – Mittwoch –Sudan - Wadi Halfa, der Zollplunder hält auch hier lange auf

Morgens gehen wir alle zum „Stadtplatz“ frühstücken, super Stimmung, guter Tee und eine Art „Ausgezogene Krapfen“, sehr lecker! Danach vorsichtshalber wie immer ein Cola für den Magen und los geht`s zu viert zum Zoll.

Wir haben gestern abends schon irgendeinem Typen, der scheinbar für Touris mit Fahrzeugen zuständig ist (vermutlich selbsternannt aber was soll`s), einen Abschnitt aus dem Carnet und unsere Passdaten gegeben, der hat das schon mal ins Rollen gebracht, ansonsten würde es heute vermutlich 5 Stunden dauern…. Mit Motorrädern runterholen etc. dauert`s dann aber eh so lange, der Schlepper legt gerade an, als wir zum Hafen kommen. Das Herunterfahren der Mopeds vom Schlepper ist der pure Wahnsinn, eine supersteile Rampe, grauenhaft! Gott sei Dank fährt mir Christian das Moped runter, ich würde es glatt stehen lassen! Es ist aber auch für die 3 Männer ein Graus, ohne gegenseitige Hilfe wäre es unmöglich! Absolutes Fotografierverbot, andere Sorgen haben die scheinbar nicht!

Unsägliche Formalitäten, dann geht`s raus zur 1. Sandfahrt, mir graut`s davor schon seit dem Frühstück. Es ist aber alles machbar, besonders tief ist der Sand wirklich nicht, genau genommen ist gar nicht so viel da…. Also auf nach Wadi Halfa, es sind eh nur ca. 2 km.

Da es mittlerweile ca. 14Uhr nachmittags ist und viel zu heiß zum Fahren (auch die Polizei, bei der wir uns registrieren sollten, macht erst morgens um 8 Uhr auf) beschließen wir, noch eine Nacht im Nile Hotel zu verbringen. Ich lasse mir aber jetzt ein anderes Zimmer zeigen, das ist wenigstens der Boden zementiert (die waren aber gestern schon ausgebucht).

Wie gelähmt liegen wir den Rest des Tages auf unseren Betten, die wir auf die „Veranda“ rausgestellt haben. Abends beim Essen auf dem Stadtplatz treffen wir noch eine UN-Truppe, sehr nette Leute, die uns ein paar Infos und Ihre Telefonnummern für ein Treffen in Karthoum geben.

Das gesamte Wasser für die Duschen und Toiletten ist alle, ich hole noch ein bisschen was von den Resten auf der Männerseite, zum Duschen reicht es aber einfach nicht mehr…..

Tag 25 - 30.07.2009 – Donnerstag –Sudan - Wadi Halfa nach Kudayn

Christian will eigentlich bis nach Dongola (ca. 450 km), ich finde aber, dass das unmöglich ist. Das ist jetzt die Strecke, vor der ich mich seit Deutschland am meisten fürchte (danach sollen noch ca. 500 superschlechte km in Nordkenia kommen).

Die Anmeldung bei der Polizei machen wir nicht mehr, die öffnet erst um ca. 8 Uhr, wir fahren aber schon um 6 Uhr los. Wir wecken mit unserer Packerei den halben „Hotel-Schlafsaal“, auch letzte Nacht haben alle Gäste im Freien geschlafen, in den Zimmern ohne Klimaanlage und Ventilator ist es ausgeschlossen, dass man ein Auge zugedrückt.

Irgendwie ist mir auch letzte Nacht wieder aufgefallen, dass die Zimmer zwar gemischt verteilt sind, es aber Zwischenhöfe gibt, da schlafen dann die Frauen, in den anderen halt dann die Männer. Da ich aber in jedem Fall in Christians Nähe bleiben will, bin ich 2 mal im Männerhof gelandet. Und das war dann beide Nächte wie in einem riesigen Sägewerk.

Da es auch heute Morgen kein Wasser gibt fällt uns der Abschied sehr leicht. Exakt zu Sonnenaufgang brechen wir auf. Noch ein paar hundert Meter Sandstraße dann kommt die niegelnagelneue Teerstraße, supertolle Landschaft, dazu der Sonnenaufgang: ein schöner Auftakt für den Sudan!

Es ist angenehm kühl, ich habe die Jacke nur geknöpft, nach ein paar Kilometer friert es mich fast ein bisschen. Das passt aber schon, man kann eh nur bis ca. 11 Uhr fahren. Auf viele Nachfragen hieß es, die Strecke sei „praktisch“ durchgehend geteert, eine UN-Mitarbeiterin, die gerade aus Karthoum kam, hat mir aber gestern abends gesagt, dass nur ca. 70% geteert sind.

Und so kommt es dann auch: urplötzlich hört die Teerstraße auf und wir müssen uns seitlich zu Piste und Sand verabschieden. Es ist aber jetzt nicht so, dass da irgendetwas angeschrieben wäre, das Ganze ist eher wie ein Rätsel aufgebaut, links, rechts??? Man weiß auch nie genau, wann man wieder auf die gute Straße zurückfahren kann.

Mein persönlicher Albtraum stellt sich dann auch zügig ein: wir stehen vor einer längeren totalen Softsand-Strecke, keine Möglichkeit zum Ausweichen!!! Eine mittelschwere Krise stellt sich ein, ich überlege, ob ich das Motorrad kurzerhand einfach wegschmeißen soll…

Ryan, der semiprofessionelle Offroadfahrer von den 2 Engländern, hat mir gestern noch folgendes geraten: „absolut entspannen, nicht auf eventuelle Hindernisse starren sondern dahin schauen, wohin man ausweichen will und wenn das Motorrad hinten weggeht: Gas geben, damit alles wieder in die Richtung kommt“.

Wir haben ja beide 0,0 Offroaderfahrung, müssen hier jetzt aber irgendwie durch. Christian fährt los, das Motorrad geht hierhin, dahin, es schwänzelt wie verrückt, er wird schneller und irgendwann bleibt er stehen. Ich weiß jetzt nicht, ob er durchgekommen oder steckengeblieben ist???

Jetzt bin also ich dran, ich entspanne (wie auch immer…) und fahre langsam los. Nach nur wenigen Metern geht die ganze Fuhre natürlich hinten weg. Normalerweise bin ich der Typ, der jetzt voll abbremst, aber – oh Wunder – ich gebe Gas, es geht wieder kurz geradeaus. Das wiederholt sich immer wieder aber irgendwann erreiche ich auch das Ziel und bin schon sehr stolz, dass das jetzt gleich so gut geklappt hat. Weiter geht`s auf superschlechter Wellblechpiste aber bei dem Gerumpel kann ich mich jetzt auf das nächste Sandfeld vorbereiten… Und so geht`s dann weiter im Wechsel, Sand, Teer, Wellblech….

Natürlich kommt man da nicht besonders gut vorwärts und dann biegen wir einmal auf die falsche Piste ab, fahren einen Hügel hoch und auf der anderen Seite lauert schon ein riesiges, elendig langes Sandfeld, dazu noch Schuss bergab!!

Christian fährt los, nach ca. 100m sehe ich schon, wie er seitlich vom Moped wegfliegt, eine Staubwolke…. Vor Schreck lasse ich mein Moped auch gleich fallen, kann aber nicht zu Christian runter, wenn einer auch hier den Hügel hochkommt, fährt der geradewegs über mein Moped drüber. Christian hat schon einen LKW aufgehalten, der Fahrer hilft ihm, das Motorrad aufzustellen. Gott sei Dank!

Dann brülle ich runter, dass ich auch umgefallen bin, er kommt rauf. Er ist super genervt, angeblich fehlt ihm nichts. Wir stellen mein Moped auf, ich fahre aber zurück und suche eine Alternativstrecke, Christian ist nämlich nicht wegen dem Sand umgefallen sondern wegen großen Steinen, die im Sand versteckt waren.

Wir treffen uns am Ende der Sandstrecke wieder, mittlerweile sieht`s so aus, dass sich Christian wahrscheinlich eine Rippe gebrochen oder geprellt hat, abends sehen wir dann auch die ganzen blauen Flecken und Abschürfungen am rechten Fuß!

Es sieht danach aus, dass er bis auf weiteres nicht mehr husten, nießen oder lachen sollte!

Weiter geht es ohne erneute Umfaller, es ist schon 12 Uhr, viel zu spät zum Fahren!

Wir halten an einer Miniortschaft an einem Unterstand für Wasseramphoren (die gibt es hier in jeder Ortschaft, da ist kaltes Nilwasser drin), eine Liege ist auch vorhanden.

Kaum 2 Minuten sitzen wir und schon kommt ein Sudanese und lädt uns ein in das Haus seines Bruders. Wir gehen gern mit, alle begrüßen uns mit Handschlag, sofort werden wir zu 2 Liegen geführt, die Gastgeber machen das internationale Zeichen für Schlafen, wir sollen uns erst mal ausruhen. Kaltes Nilwasser wird gebracht und dann noch die Frage, ob wir ein „Breakfast“ wollen. Wir sagen sofort ja, wir hatten ja heute noch gar nichts außer Wasser. Wir legen uns dann tatsächlich hin und ich schlafe gerade ein, da kommt die Frau des Hauses mit einem riesigen Tablett. Darauf irgendeine Vorspeise mit Milch, dann Ful, ewig viel Fladenbrot und dann noch eine Nachspeise. Wahnsinn!!! Gegessen wird hier auf dem Boden bzw. auf dem großen Teppich vor unseren Liegen.

Und jetzt ist es nicht etwa so, dass die Sudanesen uns beim Essen volllabern, die gehen wieder und lassen uns einfach unsere Ruhe! Nach etwa einer Stunde wollen wir dann gehen, die Frau macht aber nochmal das „Schlafen-Zeichen“ und deutet auf den hohen Sonnenstand. Wie recht die gute Frau doch hat. Wir legen uns also wieder hin, schlafen kurz weg dann brechen wir aber doch auf, wir (bzw. eigentlich nur Christian!!!) wollen ja noch nach Dongola!

Nach weiteren 4 km Sandpiste stellen wir fest, dass das eine totale Schnapsidee war, wir müssen zurück zur letzten Ortschaft und da irgendwo campen (ein Hotel gibt es da nicht). Wir drehen bei einer Baustelle um, die bieten uns an, dass wir uns in ihren Quartieren ausrasten und schlafen können, wirklich sehr nett!

Auf jeden Fall kommen wir nach ca. 45 Minuten wieder zurück zum „Amphorenunterstand“, gleich ist der Sudanese von vorher, sein Name ist Mohammed, wieder da. Er führt uns zu einem Platz weiter hinten im Dorf, da steht jwd ein Rohbau, komplett mit Mauer umgeben. Da drinnen stehen auf der Veranda 2 Bettgestelle, hier können wir für die Nacht einziehen, super! Wasser, Klo und Dusche gibt es nicht, wir sind aber ganz ehrlich total zufrieden mit den 2 Betten.

Kurz darauf kommt Mohammed mit einer Kanne Tee und Gläsern, er trinkt eine Tasse mit uns und fragt noch, ob wir abends Fisch oder Fleisch möchten, wir entscheiden uns für Fisch. Saaaagenhaft, so eine Freundlichkeit!

Wir liegen wieder mal wie gelähmt auf den Liegen! Abends klopft Mohammed dann nochmal und bringt tatsächlich panierten Fisch mir Reis und Milchpulver? In mehrere Flaschen eisgekühltes Nilwasser geben wir Micropur-Tabletten, wir müssen das jetzt trinken, der nächste Shop wäre ca. 20 km Sandstrecke entfernt!!! Unser Wasser geht zur Neige, das Nilwasser ist aber erst in ca. 2 Stunden trinkbereit!

Wir führen sinnvolle Gespräche in dieser Art: „wie viel würdest Du jetzt für eine kalte Radlerhalbe ausgeben? – Und Du für eine Radlermaß? Also ich würde für eine Maß 50 Euro zahlen…..“.

Später stellen wir die Liegen noch direkt in den Hof, damit nichts den phantastischen Sternenhimmel verstellt. Dann klopft noch ein weiterer Nachbar und fragt, ob wir „kristallklares Wasser“ wollen, wir sagen gleich ja und so bringt auch er kurze Zeit später noch 3 Liter vorbei.

Mit dem Hinweis, wir sollen auf die sehr giftigen Skorpione, die es hier überall gibt, achten, lässt uns der gute Mann dann allein. Ich suche natürlich gleich noch unter unseren Liegen nach Skorpionen…

Tag 26 - 31.07.2009 – Freitag –Sudan - Kudayn nach Dongola

Um 5 Uhr 30 wieder den ganzen Krempel einpacken, zu Sonnenaufgang geht es los. Mohammed lädt uns noch zum Frühstück ein, wir würden gern aber wir müssen los…

Mir graut`s ja schon total, jetzt kommen 35 km Piste am Stück, davon viel Sand. Pfui Teufel! Wir schlingern schon einigermaßen geübt durch die Prärie, trotzdem kommen wieder Sandfelder, vor denen mich das kalte Grausen packt! Aber: ein kleiner Umfaller von mir, ansonsten läuft alles prima.

Aber mal so unter uns gesagt: Spaß machen ist ganz was anderes, Sandfahren jedenfalls nicht! Und es wird auch niemals mein Hobby werden…

Bei einer Ortsdurchfahrt sehen wir ein Geschäft mit zig Kisten Cola, Fanta etc. im Fenster: ein Getränkemarkt!!! Ich wünsche mir kaltes Cola und Wasser, Christian bringt warmes Pepsi, wir trinken es, möchten noch eines, das vorher war aber das letzte. Jetzt gibt`s nur noch ein Fanta, also dann halt warmes Fanta!

In der nächsten Ortschaft werden wir vom örtlichen Zigarettenhändler zu Tee und Keksen eingeladen, alles supernette Leute…

Wir treffen Ian und Ryan bei Dongola wieder, die 2 beklagen sich über zu wenig Hilfsbereitschaft im Sudan, ich glaube, das liegt auch ein bisschen daran, dass die Sudanesen die Engländer wegen früher nicht mögen, das haben wir oft gehört… Die beiden sind je 2 mal gestürzt, Ian sogar einmal schwer. Ich finde, dass wir uns mit je einem Sturz sehr gut gehalten haben!

An der Fähre in Dongola sind wir dann um ca. 12 Uhr, wir suchen ein Hotel und finden auch eines, empfohlen von Lonely Planet. Ein Zimmer hier bekommt man aber nur nach vorheriger Registrierung bei der Polizei, das dauert auch wieder.

Zurück zum Hotel, es ist wirklich die widerlichste Absteige, die wir jemals betreten haben aber es hat angeblich als einziges in Dongola Klimaanlage. Wir nehmen diese überteuerte Unterkunft (ca. 10 Euro aber davon ist jeder Cent zu viel), wir bekommen das letzte Zimmer, es ist tatsächlich ausgebucht!

Auf der Fahrt durch die Stadt haben wir schon gesehen, dass Dongola eine bewohnte Müllhalde ist, soooo viel Dreck, unglaublich! Nachdem wir uns aber jetzt 2 Tage nicht duschen konnten ist Haare waschen usw. selbst in dieser abgewrackten Bude supertoll! Morgen muss ein schönes Hotel her, das hilft jetzt nichts mehr.

Durch die brutale Anstrengung der ganzen Reise haben wir beide schon mehrere Kilos verloren, mein Ziel, in den Schatten eines Verkehrszeichens in der Wüste zu passen, habe ich aber noch nicht erreicht!

Tag 27 – 01.08.2009 – Samstag –Sudan – Dongola nach Karthoum

Gott sei Dank können wir dieses unsägliche Dreckshotel um 6 Uhr morgens verlassen.

Dann geht es auf schöner Teerstraße ca. 550 km nach Karthoum. Die Fahrt geht mitten durch die Wüste, nach ca. 50km begegnet uns rechter Hand die erste Kamelkarawane, viele Tiere, sehr beeindruckend! Es tauchen immer wieder Karawanen auf, irgendwann hat man den Eindruck, dass es fast schon eine „Kamelseuche“ hier im Sudan gibt.

In Gabriya ist dann auf der Karte die angeblich einzige Tankstelle eingezeichnet. Gabriya kann man sich jetzt so vorstellen wie die anderen Orte vorher und nachher: ca. 100 Häuser, jeweils weit auseinander gebaut (Platz gibt es hier ja genug), absolut niemand spricht englisch, wir fragen an ca.20 verschiedenen Stellen bis wir schließlich vor einem Haus landen, das so aussieht wie alle anderen auch. Ein Sudanese hat uns hergebracht, wir hätten das ansonsten niemals gefunden, es ist absolut nichts angeschrieben, weder in arabisch noch sonstwie oder irgendein Hinweis! Wer jetzt glaubt, wir müssten ja die Zapfsäulen sehen: weit gefehlt! Der gute Mann kommt mit einem Kanister Benzin aus seinem Haus, darin ein Schlauch, den Kanister hält er hoch und die Sache läuft in Christians Tank! Dann der nächste Kanister, bei meinem Motorrad funktioniert`s nicht also nimmt der Tankwart einen kräftigen Schluck aus dem Schlauch und dann läuft`s auch in meinen Tank. Pfui Teufel!

Mittlerweile hat es 42 Grad, ab und zu sieht man, dass da in der Wüste auch Leute leben. Wie kann man es hier nur aushalten? Einmal mehr bin ich heilfroh, dass wir so privilegiert sind und in Deutschland leben dürfen!

Nach ca. 170 km kommt noch eine Tankstelle, wir tanken natürlich auch hier nochmal auf. 2 Sudanesinnen erzählen mir, dass es in Karthoum „cool and rainy“ sein soll. Ca. 20 km vor Karthoum gibt es dann auch tatsächlich Wasserlöcher in der Wüste, eher eine Rarität. Und dann ist da auf einmal der Beschriftungsstein „0 km Karthoum“. Die Temperatur ist aber nicht wesentlich niedriger…

Verkehrsmäßig sind wir angenehm überrascht, die Sudanesen fahren in der Großstadt zwar auch unkonventionell aber weit nicht so aggressiv wie die Ägypter. Wir kommen in Omdurman an, ein einziger Riesenbasar.

Mein Bruder Erich hat uns freundlicherweise mit Hilfe von Herrn Dari, der arabisch spricht (dankeschön!!!) ein Hotel vorreserviert (wir wollten die Kreditkartennummer nicht angeben, wir wussten ja nicht, ob wir Karthoum heute erreichen). Außerdem wäre das eh komisch gewesen, im Sudan kann man ja keine Kreditkarten einsetzen, man kann das Hotel auch nur direkt über deren Website buchen (wenn überhaupt!!!) Von Omdurman aus wollen wir Erich noch kurz zum Hotel befragen, gleich stellt uns ein freundlicher Sudanese 2 Stühle unter einen Baum in den Schatten, schon nett! J

Jedenfalls habe ich das Hotel schon lange rausgesucht, es ist supergenial, dieses „Al Salam Rotana“, sehr schön! Und der Unterschied zu gestern, sagenhaft!! Vielleicht braucht man so was auch zwischendrin, damit man wieder mal sieht, welch gigantische Unterschiede es gibt! Ich hätte es jetzt aber gesehen, mir reicht`s .

Tag 28 – 02.08.2009 – Sonntag –Sudan –Karthoum

Heute schauen wir uns einfach ein bisschen in Karthoum um und dann müssen wir auch einiges besorgen, gar nicht so einfach….

Hier bleiben wir jetzt 3 Nächte, irgendwann muss man ja mal ausspannen, wir sind beide total erkältet, Christians Rippenprellung oder –bruch wird schon besser und die Wunden sind auch schon wieder zu.

Seit heute nehmen wir Malarone weil die Mückenstiche gigantisch zunehmen…

Und dann: „Schau ma moi“.

Gestern ist uns noch ein superfeundlicher Sudanese mit seinem Auto zum Hotel vorgefahren, der arbeitet im Cargobereich am Flughafen, der ziemlich nahen dem Hotel ist. Worum könnte man jetzt so einen Cargomanager bitten? Dass er was organisiert??? Ja was denn??? Rätsel!!!

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Tag 29 – 03.08.2009 – Montag –Sudan –Karthoum

Heute fahren wir nochmal in die Stadt, Karthoum hat aber wirklich nicht viel zu bieten, das schönste bzw. interessanteste ist der Zusammenfluss von blauem und weißem Nil. Leider darf man auf der Brücke keine Fotos machen.

Dann noch die große Moschee im Zentrum und eben Omdurman, das ganze ein Riesenbasar. Und für die ganz Interessierten das Nationalmuseum. Das haben wir uns aber gespart, wir sind ehr für die Gegenwart und das jetzige Leben. Wir waren dann noch beim – für Afrikareisende legendären – Blue Nile Sailing Club, der Besitzer sagt uns aber, dass hier schon lange Zeit niemand mehr gecampt hat.

Dann noch ein bisschen relaxen bevor es morgen überraschend doch Richtung Südosten weitergeht. Wir haben den Cargomanager für den Rücktransport der Motorräder jetzt doch nicht engagiert!

Abends wird es plötzlich braun und dunkel am Himmel, ein Sandsturm über Karthoum, es wird auch nicht mehr hell….

Tag 30 – 04.08.2009 – Dienstag –Sudan –Karthoum nach Gedaref

Morgens sieht der Himmel nicht viel besser aus, dunkel und bedrohlich. Die Temperatur ist auch zurückgegangen, es dürften nur noch schlappe 30 Grad sein um 9Uhr vormittags. Etwas angewidert brechen wir morgens auf, eigentlich würden wir gern die restlichen Wochen hier in dem schönen Hotel verbringen.

Zur Abfahrt am Hotel versammelt sich praktisch das ganze Management vom Hotel, einige allerorts vertretene UN-Mitarbeiter sowie Gäste und Mitarbeiter. Wir werden allein hier ca. 50 mal fotografiert, die Leute warten geschlagene 15 Minuten, bis wir endlich abreisefertig sind. So was erleben die hier ja nicht alle Tage, motorradfahrende Afrikadurchquerer findet man im Normalfall auf dem nicht allzu weit entfernten Campingplatz. Also wenn ich nur daran denke, 42 Grad, ein staubiger Zeltplatz, der Himmel zieht sich gerade zu…..

Christian und ich haben übereinstimmend festgestellt, dass wir vermutlich nicht die typischen Afrikareisenden sind, die sich von einem entbehrungsreichen Tag zum nächsten schleppen und denen das nicht viel auszumachen scheint (wir könnten uns da mal ein Beispiel an Ryan und Ian nehmen, die sind wirklich hart im Nehmen). Wir machen das nur, wenn es gar nicht anders geht!

Es geht jetzt trotzdem los, wir brauchen noch eine Tankstelle, gutes Benzin gibt es ja eh schon lange nicht mehr..

Vollgetankt geht es los, die Temperatur wird immer angenehmer und ca. 280 km ab Karthoum Richtung Gedarf passiert dann wirklich völlig unerwartet von jetzt auf gleich ein kleines Wunder: wir sind im richtigen Afrika angekommen! Wir sind zwar schon seit geraumer Zeit in Afrika aber jeder hat ja eine ganz bestimmte Vorstellung von Afrika: strohgedeckte Rundhütten, rote Erde, tolle Landschaft. Und das alles fängt hier an, in den Nubabergen im Süden vom Ostsudan (nicht zu verwechseln mit Westsudan, da wäre Darfur…).

Wir halten bei einem Dorf zum Fotografieren, da kommen schon die Kinder aus den Hütten zu uns gelaufen. Man merkt schon, dass die leicht feindselig schauen. Trotzdem möchten sie natürlich was haben… Die Nuba wollen, soweit ich weiß, nicht fotografiert werden, auch die Kinder nicht, ich lege also den Fotoapparat zurück in den Tankrucksack. Ich sehe schon die Steine in den Händen der Kinder und als wir losfahren werfen sie die auch nach uns! Ich dachte, das käme erst ab Äthiopien.

Weiter geht es durch wirklich tolle Landschaft, alles ist grün, richtig schön. Abends dann in Gedaref gehen wir in das erste Haus am Platz, wieder einmal eine Absteige, aber erträglich. Dann noch ein bisschen Gedaref, ein „schönes“ afrikanischer Ort. Und schön meine ich wirklich, absolut ursprünglich, auch im Ort noch Rundhütten.
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Aktualisierung: 2014/02/14 - 10:24 / Redakteur: Webmaster
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