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Iran

DIE IRANER, EIN VOLK, DAS SEINESGLEICHEN SUCHT…

UND WAHRSCHEINLICH NICHT FINDET…



An der iranischen Grenze läuft am Anfang alles gut, die Grenzer wollen natürlich in den Bock hinten reinschauen, ich stelle mich aber gleich in den Eingang und sage „No shoes please!“. Sie wollen aber eh nur reinschauen, wie es aussieht, es wird rein gar nichts kontrolliert, gut so! Dann aber sucht der Grenzer Christians Pass immer wieder von vorn nach hinten durch. Ich dachte mir schon, dass es eventuell Schwierigkeiten gibt, der sucht nämlich den türkischen Ausreisestempel. Christian hat für die Türkei ein Visum benötigt und dieses bei dem ewigen Hin- und Herschicken der Pässe nicht mehr in den Pass mit dem Iranvisum eintragen können… Irgendwann muss er dann zugeben, dass er zwei Reisepässe hat, der Grenzer gleich: „No two passports!“ und ruft gleich Gott und die Welt auf den Plan, verschiedene Grenzer kommen und beraten bis „unser“ Grenzer schließlich sagt: „go“. Na also, geht doch, dann noch das Carnet stempeln lassen, weiter geht`s.

An diesem Tag fahren wir noch bis Orumiyeh, es wird schon etwas dunkel und wir suchen noch schnell ein Restaurant. Endlich finden wir eines, das Parken ist mit unseren beiden doch recht großen Wägen schwierig. Im Restaurant spricht keiner Englisch, irgendwie verständigen wir uns aber doch, wir werden sehr freundlich bedient. Walter fragt beim Wirt noch Übernachtungsmöglichkeiten ab, da sagt der schon, dass jetzt eh gleich die Polizei kommt und uns zu einem Hotel bringt. Die kommen dann glatt mit Blaulicht daher, irgendwie wissen sie nicht so recht, was sie mit uns machen sollen. Nach langem Gelabere einigen wir uns schließlich, dass wir die Autos zwischen Restaurant und nächstem Haus parken können, wie schrecklich, wenn man den Platz sieht! Und gleichzeitig nett vom Wirt, der bietet uns nämlich über einen anderen Beteiligten, der etwas Englisch spricht, an, dass wir „for more comfort“ bei ihm im ersten Stock schlafen können. Wir lehnen das dankend ab, die wissen ja gar nicht, wie schön wir es in unseren Fahrzeugen haben! Wir fahren nach hinten zwischen die Häuser, Walter hält vorne und das ist leider auch sein Pech: nach etwa einer Stunde kommt die Polizei wieder, holt ihn aus dem Auto und sagt, dass wir hier keinesfalls bleiben könnten, das wäre viel zu gefährlich. Wir bekommen nur noch mit, dass auch bei uns jemand kräftig ans Fahrzeug klopft, öffnen aber nicht, weil wir schon längst am Einschlafen sind und von dem Ganzen nichts mitbekommen… Und irgendwie löst sich dann alles in Luft auf.

Nächster Tag: wir wollen zur Touristeninfo, der unglaublich bemühte Wirt stoppt für uns einen Taxifahrer, der lässt uns vor der Touristeninfo raus, wir sehen aber alle 4 nichts! Schlussendlich ist in irgendeinem Hintergebäude angeblich tatsächlich die Info und wir treffen auch einen Ansprechpartner, Reza, der, wieder einmal, unglaublich nette Iraner, der uns einen ganzen Vormittag seiner Zeit opfert und mit uns in seinem privaten! Auto durch die Gegend fährt, damit wir für die Fahrzeuge eine Versicherung abschließen und Geld wechseln können. In der Reiseagentur bekommen wir alle 4 Tee serviert. Wir wollten noch eine Dieselkarte, die gibt es aber anscheinend nicht. Reza fährt uns nach Stunden auch noch zurück zu unserem Wirt. Der beschließt dann, dass er uns die nächste Tankstelle zeigt, an der es Diesel gibt und wie das dann so funktioniert. Und um den ganzen die Krone aufzusetzen, fährt er uns bis zur Autobahn voraus, die wir ansonsten trotz GPS wegen vieler Bauarbeiten nur sehr schwer gefunden hätten. Welche Gastfreundschaft! Man muss es selbst erlebt haben…

Über den fast ausgetrockneten Salzsee Lake Orumiyeh fahren wir in das iranische „Klein-Kappadokien“, in das Bergdorf Kandovan. Wunderbar, phantastisches Wetter, ganz anders eigentlich und trotzdem gleich wie Kappadokien. Das Schönste an Kandovan: es ist noch bewohnt, Familien mit Ziegenherden sind hier ansässig. Hier gibt’s endlich wieder mal so richtig was zu shoppen und dabei springt auch eine gewebte iranische Tasche heraus, in die meine Kamera passt, sehr schön! Abends wieder freies Übernachten auf dem Parkplatz am Ende des Dorfes, angeblich soll hier morgen, weil da Freitag ist, ab 6 oder 7 Uhr früh die Post abgehen aber mittlerweile sind wir so drauf, dass wir das einfach auf uns zukommen lassen.

Nächster Tag, nichts passiert frühmorgens. Und das schönste an diesem Morgen: wir werden von einer Ziegenherde, die hier ihren Tagesstartpunkt hat, geweckt. Wenn das nicht mal was anderes ist! Wir fahren bald ab Richtung Qazvin. Durch teilweise spektakuläre Landschaft schnurrt unser Bock auf der Autobahn dahin, um die etwa 530 Tageskilometer zügig runterzuspulen. An den Zahlstellen müssen wir meistens nichts bezahlen, die Kassierer fragen, woher wir kommen und sagen dann: „no money“, „no pay“, sehr nett!!! Wobei es da gar nicht um die eh nicht hohen Beträge geht…. Ankunft am späten Nachmittag in Qazvin, Christian hält am Straßenrand, gleich kommt ein Iraner, der Englisch spricht, ans Fenster: wie er uns helfen könnte? Wir sagen es ihm, er hält gleich die Polizei an, ein Polizist zeigt Christian einen bewachten Parkplatz, auf dem wir stehen und übernachten können, der gleich ums Eck ist oder wo wir auch unseren Bock stehenlassen können, wir haben nämlich vor, heute ins Hotel zu gehen. Die sind alle soooo nett! Zum Abschluss, ich kann es selbst kaum glauben, küsst der Polizist Christian mehrmals und sagt dann: „Iranian Style“!!!! Ich könnte mich kaputtlachen, vor allem da der Polizist wahrscheinlich seinem guten Aussehen (Lederjacke, gegelte Haare…) nach abends bei YMCA auftritt ☺ Ich erinnere Christian noch daran, dass ich ihm vor etwa 2 Stunden aus dem Lonely Planet Reiseführer vorgelesen habe, dass Qazvin die heimliche Hauptstadt der Homosexuellen ist…. Im Hotel Alborz war ich schon vor ein paar Jahren während einer Motorradreise durch den Iran, es ist die gleich Absteige wie damals, nichts hat sich geändert! Aber mangels Alternativen…. bleiben wir hier 2 Nächte. Abends drehen wir noch eine kleine Runde (das Hotel liegt mitten im Zentrum), dabei werden wir von einem Zahnarzt angesprochen, der uns viel Interessantes erzählt und anschließend noch zu sich in die Praxis auf einen Tee einlädt. Wir lehnen aber dankend ab, wir sind wieder mal müde. Ich stelle mir nur kurz vor dem Einschlafen noch vor, wie es denn wäre, wenn ein Münchner Zahnarzt am Marienplatz einen Iraner anspricht und ihn anschließend in seine Praxis auf ein Weißbier einlädt

Nächster Tag: Besichtigung des historischen Zentrums, ausgesprochen geschmackvoll, toll!! Leider ist es noch nicht ganz fertig, das Leben darin fehlt noch. Im Bazar gehen wir die verschiedenen Viertel ab und dann ist eine Pause angesagt mit Bananenmilch und Roseneis. Beides ist eiskalt und schmeckt einfach köstlich! Mehrere Mausoleen stehen dann auch dem Programm und schlussendlich entdecken wir ein Restaurant, in dem wir unsere doch noch etwas empfindlichen Mägen füllen. Chicken so, Chicken anders und dann noch Chicken ganz anders und immer wieder gut.

Die gesamte Wäsche, die wir zur Reinigung gegeben haben, kommt rechtzeitig zurück und nach einem kleinen Streit an der Rezeption (der Kassierer meinte, er könne uns leider nicht die 1,2 Millionen Rial rausgeben, er hätte gerade nur 900.000 da….!!!) sind wir doch sehr froh, dass wir wieder im Bock sitzen.

Teheran lassen wir aus, über Qom fahren wir weiter in die Oase Kashan. Parken und Übernachten direkt am Fin Garden, den wir auch am nächsten Tag gleich morgens besuchen. Und da sind dann tatsächlich mal ausländische Touristen unterwegs, schnell stellen wir fest, dass uns die nicht gefehlt haben. Der Garten ist wunderschön, vor allem das Teehaus ist so gemütlich, wir trinken Tee, dazu gibt es Pistazienplätzchen, das Wasser aus der Quelle plätschert vor sich hin, hier könnte man es noch länger aushalten.

Nach dem Fin Garden möchten wir gern mit dem Taxi zum historischen Zentrum dieser uralten Oasenstadt, leider versteht uns kein Taxifahrer. Da macht uns ein Iraner drauf aufmerksam, dass wir auch mit dem Bus, der gerade kommt, fahren können. An der Endhaltestelle sagt uns der Busfahrer mit Händen und Füssen, dass es noch ziemlich weit ist, wir gehen mal ein Stück, fragen dann aber wieder eine Iranerin, sie spricht kein Englisch, versteht aber irgendwie „Historical Houses“. Da steigt sie doch glatt mit Ihrer Mutter ins Auto, wir sitzen hinten und sie fährt uns direkt zum Ziel. Die Iraner machen einen teilweise echt sprachlos! Die historischen Häuser sind traumhaft schön, wunderbar hergerichtet und auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Bevor wir wieder zu unserem Parkplatz fahren möchten wir unbedingt noch Brot kaufen. Es gibt hier diese runden Fladen, die sind nicht unser Ding aber da gehen wir auf eine Bäckerei zu, da gibt es diese sehr guten langen Fladen, die super schmecken. Ein Mann geht gerade mit ein paar Fladen aus der Bäckerei, wir schauen rein, ob es noch Brot gibt, da kommt der Mann schon wieder zurück und legt mir eines seiner großen, langen Fladenbrote auf den Arm, geschenkt!!! Wir bedanken uns überschwänglich, leider spricht er kein Englisch…

Wir fahren der Einfachheit halber wieder mit dem Bus zurück. Ich steige diesmal nicht wie bei der Herfahrt vorne mit Christian versehentlich in die Männerabteilung ein (ist vordere Bushälfte) sondern lieber doch hinten zu den Frauen. Die richten es aber dann so freundlich ein, dass ich mit Christian zusammen auf der letzten „Herrenbank“ sitzen kann. Unglaubliches Abschlusserlebnis an diesem Tag: wir unterhalten uns mit mehreren Schülern, die gerne Englisch sprechen, sie sind alle recht stolz, dass sie uns so gut Auskunft geben können. Dann kommt einer von Ihnen auf uns zu und fragt, ob Sie uns Fin Garden, das wir heute vormittags schon gesehen haben, zeigen sollen. Wir müssen leider verneinen, da kommt ein anderer und sagt, dass sie zusammengelegt haben und unsere Busfahrkarte beim Aussteigen bezahlen. Wir lehnen das vehement ab, die Jungs lassen es sich aber nicht nehmen, beim Aussteigen für uns zu bezahlen!!! Uns ist das total peinlich, trotzdem schätzen wir diese Geste sehr und können es eigentlich kaum glauben! Und: mein Bruder hat Geburtstag: happy Birthday, schalte nächstes Mal gefälligst Dein Handy ein, dann erreichen wir Dich auch persönlich…

Tipp: mit meiner Reisehandykarte von mysims2go kann ich für 16 Cent die Minute vom Iran nach Deutschland telefonieren, empfehlenswert!

Bis bald, wir haben noch zu tun, der Muezzin ruft ☺ Und sehr bald ist auch der Bericht Esfahan, Shiraz fertig, schöne Erlebnisse, schöne und widerliche Übernachtungsplätze…..

PS: sorry, persönliche Mails können wir aktuell kaum beantworten, die Verbindungen sind mehr als schleppend und dazu spärlich, aber: wird schon noch!


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0122-Iran_PS_IMG_7504-jetzt-nimmt-christian-die-sache-in-die-hand.jpg 0123-Iran_PS_IMG_7517-uebernachtung-in-orumiyeh.jpg 0127-Iran_Orumiyeh_IMG_7926a-unsere-superfreundlichen-helfer.jpg


KASCHAN BIS ESFAHAN
Von der Oasenstadt in die Stadt, die keinen Fluss mehr hat Wunderschöne Brücken zieren Esfahan, der Fluss, der hier fließen sollte, ist leider völlig ausgetrocknet. Trotzdem ist Esfahan eine der schönsten Städte überhaupt, hat aber schon sehr an Charme eingebüßt. Das Hotel, das ich bei meinem letzten Besuch gebucht hatte, das Abassi, ist leider in allen Kategorien völlig ausgebucht!!! Naja, dann schlafen wir halt wieder auf einem „wunderschönen“ Parkplatz…, in ein anderes Hotel möchte ich nicht.


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0251_Iran_unterwegs-der-grosse-Bruder_IMG_9737.jpg 0253_Iran_Selbstportraet_IMG_9767.jpg 0255_Iran_Tuerklopfer-fuer-Maenner-und-Frauen_IMG_9782.jpg


AUF DEM BASAR IN ESFAHAN
Ohne Worte, die Bilder sprechen für sich…


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EIN STREIFZUG DURCH ESFAHAN UND UNSER SCHÖNER CAMPINGPLATZ


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0293_Iran_auf-dem-Gefluegelmarkt_IMG_0248.jpg 0295_Iran_und-ewig-gruesst_IMG_0287.jpg 0296_Iran_Esfahan_IMG_0291.jpg


ESFAHAN BEI NACHT….


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VON ESFAHAN NACH SHIRAZ


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Shiraz im Basar.


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Shiraz unterwegs
Nächstes mal wieder ausführlicher....


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0360_Iran_Shiraz-hier-gehts-zur-Moschee_IMG_0964.jpg 0361_Iran_Shiraz-was-kommt-denn-da_IMG_0997.jpg 0362_Iran_Shiraz-im-Bazar-zwischen-zwei-Welten_IMG_1009.jpg



VON SHIRAZ DURCH DIE WÜSTE NACH YAZD

Die Fahrt ist ziemlich langweilig, man merkt stündlich, dass es wesentlich wärmer wird. Nach ein paar Zwischenstopps kommen wir abends im schönen Yazd an. Ich wollte eigentlich schon bei meinem letzten Iranbesuch ins allseits bekannt „Silkroad Hotel“, habe mich damals aber anders entschieden. Diesmal wollen wir auf jeden Fall zu „dem Overlandertreffpunkt“ in Yazd. Durch unglaublich enge Gässchen gelangen wir mit unserem riesigen Bock auch noch um die letzte Haarnadelkurve zum Parkplatz vor dem Hotel. Ich bin schon sehr enttäuscht, hatte ich doch wenigstens ein Fahrzeug mit Overlandern hier erwartet… Christian geht rein, Zimmer gibt es eh nicht, auch hier in Yazd ist alles ausgebucht. Zu viele Touristen, Hochsaison und was weiß ich noch alles! Also entscheiden wir uns, wieder mal auf dem Parkplatz vor dem Hotel stehenzubleiben und die sanitären Anlagen des Hotels wie auf einem Campingplatz zu benutzen. Und das alles gibt es incl. Frühstück, auch nicht schlecht. Der Innenhof ist gemütlich, man sitzt auf den großen persischen, teppichbelegten „Sitzbetten“, siehe Foto.

Wir ziehen gleich noch los und gehen durch die engen Gassen zwischen den Lehmbauten, sehr schön! Moscheen und Mausoleen an jeder Ecke, sehenswert.

Abends treffen wir noch zwei Deutsche, die seit 9 Monaten mit den Rädern unterwegs sind, eine echte Leistung! Auch die 2 netten Schweizer Mario und Sabrina mit dem VW-Bus treffen wir hier wieder, es wird ein sehr interessanter Abend! Insgesamt verbringen wir 3 Nächte in Yazd, dann wird es uns zu warm und wir beschließen, nicht weiter durch die Wüste Richtung Mashad zu fahren sondern uns noch ein paar Ruhetage am Kaspischen Meer zu gönnen, bevor es dann nach Turkmenistan geht.


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0500_Iran_Yazd_Apotheke-IMG_1761.jpg 0501_Iran_Yazd_Fussballspielen-an-der-Moschee-IMG_1673.jpg 0502_Iran_Yazd_gibts-das-auch-unfreundlich-IMG_2195.jpg



VON YAZD ÜBER KASCHAN NACH BABOL

2 Tage haben wir für die Strecke geplant. Das Stück zwischen Kaschan und Teheran kennen wir schon, der Rest ist neu. Nach Teheran geht es wieder über sehr hohe Berge, danach kommen auf einmal viele Reisfelder. Eine ganz andere Landschaft, sie erinnert etwas an Südostasien. Wir brauchen länger als geplant, der Bock ist kein echter „Bergfahrer“. Wir beschließen, im etwa 40 Kilometer vom eigentlichen Ziel entfernten Babol zu übernachten und fahren in die schönen Reisefelder etwas außerhalb vom Zentrum. Christian fragt einen Schäfer, ob wir auf dem Grundstück neben einem Reisfeld stehen dürfen, Antwort: ja sicher, kein Problem. Unser Problem ist, dass der gute Mann noch die halbe Ortschaft zu unserem Bock bringt, obwohl wir eigentlich ins Bett möchten, wir sind todmüde. Aber die Gastfreundschaft!!! Da muss man durch... Irgendwann sind wir erlöst, schnell die Betten gerichtet und gerade als wir uns hinlegen wollen, klopft es sehr laut: „Police, open!“ Ausweis, Versicherung, der Schäfer und Konsorte sind auch wieder da… Der Polizist erklärt Christian am Beispiel seines Kollegen, den er am Hals hält und ihm symbolisch die Kehle durchschneidet, dass es hier viel zu gefährlich sei und dass wir doch noch ins eigentlich als Tagesziel geplante Babolsar fahren müssten, nur da wäre es sicher, nerv, nerv!!! Schäfer und Co. wollen uns noch überreden, dass wir zu ihnen nach Hause kommen, uns ist das aber jetzt zu viel und zu unsicher. Sie geben uns noch einen Sack (tatsächlich einen Sack!) Orangen und einen Sack Reis mit, vielen Dank, wie nett.

In Babolsar gibt es natürlich angeblich wieder kein Hotel, keinen Parkplatz und überhaupt nichts, wo man sich hinstellen könnte. Wir fahren dann einfach in eine Gasse neben einer Hauptstraße, halten unter einer Straßenbeleuchtung, machen kein Licht mehr an und schlafen. Und wir werden auch nicht mehr öffnen, die Leiter ist eingezogen, der Bock sieht aus wie geparkt. Jetzt müsste sich die Polizei schon zu uns reinschiessen… Polizisten sind hier sooo gescheit und an allen Ecken und Enden präsent, da merkt man doch den Polizeistaat immer wieder.


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0550_Iran_PS_erste-Nacht-in-Babolsar-IMG_7822.jpg 0551_Iran_Schaefer-und-co-in-Babol-PS_IMG_7815.jpg 0552_Iran_Yazd_nach_Babolsar_etwas-ueberladen-IMG_2716.jpg



DIE WASSERPFEIFE IN DER LKW-WERKSTATT

Alles geht gut, am nächsten Morgen ist gleich der Besuch einer LKW-Werkstatt geplant, der Auspuff hat durch die vielen Schlaglöcher auf den schlechten Straßen einen Riss bekommen, das muss repariert werden, außerdem soll er abgeschmiert werden und, wenn wir schon mal dran sind, soll auch gleich noch ein Ölwechsel gemacht werden.

Aber bei Allem gilt: woher nehmen und nicht stehlen??? Wir halten irgendwo in einem „Reparaturviertel“ längs der Hauptstraße an und irgendwie kann angeblich auch gleich der erste den Auspuff richten, kein Problem. Die Werkstatt ist einfach sagenhaft, der Monteur schneidet aus einem Peugeot Pars-Kotflügel ein Stück raus, mach irgendwie alles weg, was weg muss, biegt das Blech dann rum… Wir schauen nur ab und zu, was er eigentlich macht, zwischendrin wird hinten in der Werkstatt schon die Wasserpfeife vorbereitet, Gäste werden hier gut behandelt. Und ob wir denn Whiskey möchte??? Nein danke, wollen wir nicht, erstens überhaupt nicht und zweitens schon gar nicht um 10 Uhr vormittags. Trotzdem ein nettes Angebot. Also man kann auch in der islamischen Republik Alkohol bekommen, man muss nur einen kaputten Auspuff haben ☺

Weiter geht`s auf gut Glück zum Ölwechsel und dann noch Abschmieren. Wieder per Zufall im Reparaturviertel gibt`s hier eine Firma, die komplette Ölwechsel durchführt, Christian verschwindet mit denen dann noch im Auto zum Ölkauf, dafür gibt es nämlich wieder eine extra Firma…


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MONTEURE UND IHRE VERWANDTSCHAFT

Alles paletti, zurück zum Kaspischen Meer. Da holt uns aber der Bruder eines Monteurs der Ölwechselfirma mit dem Moped ein und überredet uns, für 5 Minuten zu ihm nach Hause zu kommen. Eigentlich haben wir keine Zeit aber der gute Mann gibt nicht auf. Also hinein zu dem netten Menschen, der übrigens wegen uns für heute seinen Friseursalon geschlossen hat! Stolz führt er uns erstmal allen verfügbaren Nachbarn vor und zeigt uns dann sein kleines Häuschen: alles sehr sauber, beherrschend im Wohnraum ist der große Fernseher, wir sitzen auf dem Teppich und er ist total nervös. Wie kann er uns halten, er versteht nicht, dass wir höchstens einen Tee trinken wollen, er lässt uns kurz allein und kauft ein für uns! Und damit wir uns nicht langweilen, schaltet er uns noch im ZDF einen Zeichentrickfilm ein, Gott sei Dank, was hätten wir sonst gemacht. Wir sollen ihm noch kurz sagen, ob wir mit dem dargebotenen Programm auch einverstanden sind… Wie schön ist es doch, keinen Fernseher zu haben!!! Nachdem nun auch noch sein „Monteurbruder“ für heute den Dienst quittiert hat und mitsamt Kindern hier auftaucht, sehen wir schon schwarz für heute. Wir täuschen aber nach etwa 2,5 Stunden ein Meeting mit Bekannten am Kaspischen Meer vor…


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0650_Iran_alles-schoen-abgedeckt-PS_IMG_7955.jpg 0651_Iran_alles-sehr-ordentlich-PS_IMG_7950.jpg 0652_Iran_Kueche-und-Waschkueche-PS_IMG_7946.jpg



BADEN, ISLAM UND DIE FRAUEN, IRGENDWAS LÄUFT DA SCHIEF!

Zurück in Babolsar direkt am Kaspischen Meer gehen wir ins 5 Sterne-Motel, den Bock stellen wir direkt vor unserem Zimmer mit Meerblick ab. Der Nächtigungspreis pro Appartment (2 Schlafzimmer, 1 riesiger Wohnraum mit Küche, 1 Bad: doppelt so groß wie der Bock!) liegt bei satten 25 US Dollar pro Nacht, da kann man doch nicht meckern…

Und dann wird es interessant, weil es eben irgendwie nicht passt:


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0700_Iran-auch-Frauen-schmeckt-die-Wasserpfeife-IMG_3000.jpg 0701_Iran-da-warten-die-Wasserpfeifen-IMG_2983.jpg 0702_Iran-schoener-gehts-eigentlich-nicht-mehr-IMG_2995.jpg



GOLESTAN NATIONAL PARK, DAS MÄRTYRER-AUSBILDUNGSCAMP UND DER „MOSCHEECAMPINGPLATZ“

Nach einem langen, langen Fahrtag versuchen wir gegen abends in einem Dorf, das ca. 10 Kilometer von der Hauptstraße entfernt liegt, einen Platz zum Übernachten zu finden. Ausgesprochen viele Schilder mit Märtyrern und hunderte von Khomeni-Plakaten lassen mich aber zu dem Schluss kommen, dass wir uns hier vermutlich im größten Märtyrer-Ausbildungscamp der Welt befinden und dass die beim Anblick unseres seltsamen Gefährts mit 2 frohen Menschen im Führerhaus auf die Idee kommen, an uns mal Ihre ersten praktischen Erfahrungen in Form einer Sprengung oder…. zu machen. Ich möchte hier keinesfalls bleiben also ab durch die Mitte!

Ein paar Kilometer weiter: ein Schild am Straßenrand in Farsi. Christian behauptet, dass da steht, dass in 5 Kilometern ein Campingplatz kommt ☺

Es kommt dann aber eine fest installierte Polizeikontrolle, großer Parkplatz, Moschee. Wir sind todmüde, Christian fragt den Polizisten, ob wir hier stehen könnten und zeigt zu einem Baum. Der Polizist versteht gar nichts, bei seiner Antwort meint Christian aber, dass er ein „ja sicher, das ist gar kein Problem“ heraushört…

Von der Polizei bewacht schlafen wir gut, Christian dreht am Morgen eine kleine Runde zur Moschee, kommt zurück und sagt: „du wirst es nicht glauben, das ist tatsächlich ein Campingplatz“. Ich schnell raus, zig Zelte, die Menschen waschen sich in den Waschräumen der Moschee, Wasserpfeifen glühen und der Grill ist auch schon angezündet. Super!


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Aktualisierung: 2014/05/22 - 19:13 / Redakteur: Webmaster
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