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Äthiopien

You! You! You!

Tag 31 – 05.08.2009 – Mittwoch –Sudan- Äthiopien –Gedaref nach Gonder

Kurzes Auftanken und weiter geht es durch schöne Landschaft Richtung äthiopische Grenze. Es ist wieder sehr warm, die Fahrt durch den Ort ist eine richtige Herausforderung, da gibt es eine Umleitung, die ist „Offroad vom Besten“. Und das gleich morgens, mir wird ganz elend, hoffentlich geht das nicht so weiter bis zur Grenze (…dass es eine Umleitung war, haben wir natürlich erst später erfahren, hier ist ja gar nichts angeschrieben). Aber es hört auf…

Und dann kommt die Grenze nach Äthiopien, alles steht durcheinander, ein paar Jungs sagen uns, wo die erste Kontrolle ist, wir können es kaum glauben, dass man auf diesem Weg wirklich dahin fahren soll, soooo schlecht. Aber es stimmt und in dem Stil geht es auch weiter zu den 3 anderen Stellen, die zur Ausreise aus dem Sudan nötig sind.

Mir ist etwas mulmig, unser Visum ist nämlich schon am 2. Tag im Sudan in Wadi Halfa wieder abgelaufen, es hieß, wir müssten eine Verlängerung in Karthoum beantragen, das war uns aber einfach zu viel Bürokratie! Ebenfalls nicht besorgt haben wir uns die obligatorische Fotografiererlaubnis und das Travelpermit. Man bräuchte schon mindestens einen bis zwei Tage für diesen Bürokratenmist, die Mühlen mahlen hier extrem langsam. Einzig die Registration für ca.40 Dollar pro Person haben wir gegenüber dem Hotel in Karthoum beantragt, das hat uns aber auch zu lange gedauert (der, der den endgültigen Stempel erteilt hätte, war gerade beim Essen!!!) und so haben wir das auch vom Hotel machen lassen (zum Preis von ca. 1,5 Dollar pro Person).

Sacher ist aber, dass die Ausreise zwar lange dauert (ca. 1,5 Stunden) aber keinem irgendetwas auffällt. Super!

Gleich dahinter geht Äthiopien los, mit der Personeneinreise geht es normal vorwärts (ca. 20 Minuten) aber beim Zoll ist der Typ auch wieder beim Essen, man glaubt es ja nicht… Wir warten also ca. 30 Minuten bis der Kerl wieder da ist, dann geht es hurtig weiter Richtung Gonder.

Wir kommen gleich in das äthiopische Hochland, wahnsinnig schön, die schönste Landschaft der bisherigen Reise, supertolle Berge, alles satt grün, wie im Paradies. Riesige Kuhherden, teilweise wirkt es hier wie in der Schweiz, wir sind begeistert (aber nicht wegen der Schweiz….)

Leider weicht diese Begeisterung sehr schnell der Ernüchterung. Wir haben ja im Vorfeld schon von vielen gehört und auch viel darüber gelesen, dass die Leute in Äthiopien ganz anders sind als die im Sudan und das sind sie!!!! Das ewige Schreien „you, you, you“, nervigstes schrilles Schreien, damit man erschrickt, alles wie erwartet und noch viel schlimmer!

Auch die schöne Landschaft ändert nichts daran, dass ich aus Äthiopien gleich wieder ausreisen möchte, die Menschen hier sind absolut nervig, unfreundlich und für mich auch sehr, sehr unsympathisch. Die lachen einem ins Gesicht, winken einem zu und haben schon die Steine in der Hand, die sie einem anschließen nachwerfen. Auch Jugendliche machen das, ebenso junge Erwachsene, die so tun, als würden sie etwas aufheben, nur damit sie einen schrecken können.

Also, das ist eine Mentalität, mit der kann ich absolut nichts anfangen. Und möchte ich auch nicht!! Man könnte jetzt, so wie die meisten das tun, die ganze Sache etwas diplomatischer ausdrücken, dazu habe ich aber keine Lust. Jeder, der so tut, als würde ihn das nicht total stören, der lügt sich meiner Meinung nach in die eigene Tasche.

Und so fühlen wir uns wegen den Menschen absolut unwohl, wir bedauern das sehr, es würde uns ansonsten hier in Äthiopien ausgesprochen gut gefallen. Wir wollen heute noch nach weiter Gonder und an der Grenze sind die Auskünfte bzgl. der Befahrbarkeit der Straße dorthin sehr unterschiedlich gewesen. Also mal schauen, ca. 80 km nach Gonder (180km sind es insgesamt von der Grenze bis Gonder) fängt auf einmal Piste an, recht schlecht aber befahrbar. Es sollte nur keinesfalls regnen (leicht gesagt, hier ist gerade Regenzeit).

Kurz danach passiert dann folgendes: wir stehen vor einer Riesenbaustelle, die Durchfahrt ist nur durch feuchten, lehmigen Boden möglich. Mein erster Gedanke: hier fahre ich selbstverständlich nicht durch! Ich sehe leider auch kein Ende dieser Strecke, dann ginge es ja noch eher. Christian sagt noch, dass wir hier durch müssen und fährt los. Ich sehe, wie er schwimmt und wie schwierig es ist, wie nervig!

Ich konzentriere mich noch kurz, einen LKW lasse ich auch noch durch, das würde mir gerade noch fehlen, dass mich einer hetzt! Ich fahre los, alles schwimmt gleich weg, für diese Situation habe ich keine Instruktionen, was soll ich machen?? Irgendwie geht es aber vorwärts, dann sehe ich, dass ca.100m vor dem Ende der schlechten Strecke der LKW stehenbleibt. Die Männer von der Baustelle schauen natürlich alle, aus dem Fenster des LKW schaut der Beifahrer, hält beide Daumen hoch und schreit: „Go, Lady, go, that`s Africa!“ Ich denke mir noch: „Du Depp, Du hast mir gerade noch gefehlt“ aber gleich darauf muss ich selbst lachen, irgendwie hat der gute Mann ja recht. Wenn man glaubt, man könnte Afrika mittlerweile schon ohne Stress auf Teerstraßen durchqueren, hat man sich eben getäuscht. Jedenfalls schaffe ich die Lehmstrecke, Christian ist mir schon zu Fuß 100m entgegengekommen, ich glaube, er hat ein bisschen Zweifel gehabt, ob ich denn durchkomme.

Weiter geht’s auf schlechter Strecke aber alles kann ja noch schlechter werden, ein Wasserloch! Ich schau mir das alles an und komme wieder mal zu dem Schluss: nein, danke, nichts für mich! Christian geht das ganze mal ab, wir schauen, wo die LKWs durchkommen. Christian fährt durch und sagt, dass er mein Motorrad auch durchfährt. Ich fahre aber auch Richtung Wasserloch los, hinter mir kommt ein LKW, ich glaube, der plättet mich jetzt gleich rein in den Lehm, mein Motorrad steht zu weit in der Mitte der Strecke. Panik! Also keine Zeit zum Konzentrieren, ich überlasse Christian das Moped, der soll da jetzt mal schauen, was er macht. Was macht er? Er fährt`s mir halt durch und drüben fahre ich weiter. Gott sei Dank! Die nächste Wasserdurchquerung fahre ich aber dann schon selbst, ansonsten kommen wir ja nie vorwärts!!

Auch in die Berge hinauf nur schlechteste Piste, es ist zum Auswachsen, jetzt kommt nämlich noch etwas hinzu: wir sind mittlerweile so hoch, dass es uns richtig friert. Wir halten, machen die Jacken und alle „Lüftungsschlitze“ an der Kleidung wieder zu, auch die Halstücher kommen wieder zum Einsatz. Da aber die miese Strecke kein Ende nimmt und wir immer noch höher hinaufkommen, machen wir nach einer halben Stunde wieder Halt und holen auch die Fleecepullover heraus, wir sind total durchgefroren. Welch Wahnsinn!

Weiter vorbei an den steinewerfenden Widerlingen erreichen wir ziemlich spät abends doch noch Gonder.

Da zeigen uns 2 Studenten ein Hotel, von dem wir im LP gelesen haben, das ist leider schon ausgebucht, also auf zum nächsten, angeblich sehr gut aber irgendwie…. Unsere Mopeds parken wir in Hotelhof zwischen UN-Fahrzeugen. Nach einer kurzen Dusche gehen wir dann noch zum Essen und trinken seit langer Zeit wieder mal 2 Bierchen. Schmeckt nicht schlecht, das Essen ist aber nichts für mich, Christians Chickenrice scheint ganz gut zu sein. Für mich ist dann eher Schmalhans der Begleiter, aber vielleicht schmeckt`s morgen!??!

Tag 32 – 06.08.2009 – Donnerstag–Äthiopien –Gonder – Bahir Dar am Tanasee

Ganz früh geht es gleich mit den Studenten zur Besichtigung einer Kirche und dann noch zum Castell. Alles sehr beeindruckend.

Dann tut sich noch ein Problem auf: wir haben gestern bei unserer Ankunft in Gonder schon gesehen, dass nur eine von 5 Tankstellen geöffnet war. Da sind die Autos aber unglaublich angestanden, wir dachten, heute ist es bestimmt besser. Weit gefehlt, die Leute haben scheinbar schon gewusst, dass es am nächsten Tag gar kein Benzin mehr gibt. Also mussten unsere Studenten mit dem Taxler zusammen Benzin in Gonder auftreiben, wir sind gestern mangels Tankmöglichkeit vorher schon mit dem letzten Tropfen angekommen (die Reservekanister sind aber noch gefüllt). Zum Wucherpreis von 25 Birr, das entspr. Ca. 2 Dollar pro Liter (normalerweise kostet das Benzin 10 Birr pro Liter) haben die 3 dann 29 Liter aufgetrieben. Das Benzin wurde dann im Hotelhof angeliefert, über das Betanken mag man gar keine Worte mehr verlieren… Das war einfach nur schwierig! Gut, dass ich alles vom Zimmer aus beobachtet habe, Christian hat sich darum gekümmert!

Nachmittags fahren wir dann weiter Richtung Bahir Dar, das am Südende vom Tanasee liegt. Gleich bei der Abfahrt regnet es ein bisschen, es wird mehr und nach ca. 10km ziehen wir die Regenkleidung an. Nach ca. 1 Stunde wird es aber wieder sonnig und wir müssen schnell aus dem Regenzeug raus, es ist viel zu warm.

Wir werden natürlich an jeder Ecke, auch wenn man meint, hier ist weit und breit keiner, sofort von Kindern umlagert, heute sind es dann zum ganz kleinen Teil keine Steinewerfer mehr, trotzdem kommt keine Sympathie auf, man weiß ja nie!

Die Leute hier sind aber größtenteils erschreckend arm, wir werden ständig nach Kleidung gefragt. Da unser Gepäck auf das Minimum begrenzt ist, haben wir natürlich keine zusätzliche Kleidung dabei. Die Leute glauben das aber nicht. Die Kinder, die zum Teil in Fetzen gekleidet sind und in den hohen Bergen bei wirklich niedrigen Temperaturen die Tiere hüten, sind schon extrem bedauernswert, gerne würde ich denen was geben. Man sieht ja schon, wie die frieren. Die Kinder sollte man mal zügig mit warmer Kleidung versorgen!

Aber diese Versorgung läuft irgendwie schief, erstens haben die Kinder nichts und zweitens halten einen auch Erwachsene an und erzählen Geschichten wie: „die Kleidung ist nicht gekommen, ob wir hier sind und ihnen welche liefern, wir sollen ihnen was geben!“ Ich habe den Eindruck, dass sich die Leute zu 100% auf die Hilfe von außen verlassen, die fordern mit einer Selbstverständlichkeit von uns die Regenklamotten, die Handschuhe aber auch die Uhr und überhaupt alles. Anfangs denke ich immer noch, ich habe das jetzt falsch verstanden! Aus mehreren Gesprächen geht deutlich hervor, dass die Leute finden, dass wir verantwortlich sind, dass sie nichts anzuziehen haben.

Nachmittags kommen wir dann in Bahir Dar an, es ist ein schöner Ort am Tanasee, hier gefällt es uns gleich gut. Wir finden auch noch ein erst im Mai eröffnetes Hotel, bereits der Eingang sieht aus wie bei einer schönen Lodge im südlichen Afrika. Und auch der Rest ist absolut wunderschön, ein Zimmer, ca. 20 Meter vom See weg, ein supertoller Ausblick, der Riesenbalkon mit Kuhfellcoach, dazu eine zweite gemauerte Riesencoach zum Schlafen, offener Kamin, einfach sagenhaft, die Zimmer: ein Traum, individuell bis zur letzten Schraube! Abends dann im Restaurant direkt am See gibt es noch Gemüsesuppe, Chicken Cocos und Spaghetti Bolognese, dazu 2 St. George-Bierchen, was will man mehr. Wir beobachten noch die Fischer auf Ihren Papyrusbooten, wie schön doch Afrika sein kann!!

Tag 33 – 07.08.2009 – Freitag–Äthiopien –Bahir Dar am Tanasee

Guten Morgen Afrika! So könnten wir es aushalten, morgens gleich ein supergutes Frühstück, ein kleiner Spaziergang am See und dann die Bootsfahrt hinaus auf den Tanasee zu den Klöstern. Ganz genial und superinteressant! Nette Priester, religiöse Bücher, die 900 Jahre alt sind, wirklich toll.

Allein die Fahrt auf dem See ist schon so schön, man möchte gar nicht mehr raus aus dem Boot. Wir fahren noch ein schönes Stück auf den Blauen Nil entlang, der ist zwar nicht blau sondern rotbraun, macht aber auch nichts, das passt farblich auch sehr gut zum riesengroßen Papyrus an den Ufern. Das ist schon ein schönes Erlebnis.

Dann geht`s noch vorbei an den Pelikanen, die Hippos, die manchmal auftauchen, haben wir leider nichtgesehen, vermutlich werden wir die aber noch im südlichen Afrika zu Gesicht bekommen!

Im Anschluss gehen wir in ein schönes afrikanisches Cafe direkt am See und dann schauen wir uns noch den Ort genauer an, auch sehr interessant.

Beim Spaziergang zurück zum Hotel finden wir gegenüber auch noch eine Tankstelle, die Benzin hat, welch Wunder, die anderen 4 hier in Bahir Dar hatten keinen Tropfen! Christian fährt gleich noch beide Mopeds zum Volltanken, vielleicht ist morgen ja schon wieder alles leer!?! Oder kann nicht rausgepumpt werden zwecks Stromausfall? Dann wäscht uns der Wachmann im Hotel noch die Motorräder, da schauen die ja gleich wieder besser aus! Christian gibt ihm dann noch 50 Birr (ca. 4 Dollar), da ist der Wachmann glücklich (weil extrem überbezahlt) und wir sind es auch. Leben und leben lassen!

Tag 34 – 08.08.2009 – Samstag–Äthiopien –Bahir Dar nach Fiche

Wir hatten ja gehofft, dass das mit dem Steinewerfen besser wird, dem ist aber nicht so. Irgendwie zieht sich diese Blödheit scheinbar durch ganz Äthiopien!

Zwischendrin müssen wir tanken, auch wieder ein Riesenproblem, erst die ca. 10 Tankstelle hat Benzin und ist damit im Umkreis von ca. 100 km weit und breit die einzige!

Ich habe im Internet gelesen, dass es in Fiche ein ziemlich neues Hotel geben soll (Stand Januar 2009), wir kommen abends völlig entnervt dahin und mitten aus dem Dreck schaut tatsächlich etwas wie ein leicht abgewohnter Neubau heraus. Sofort halten wir an und es gibt auch ein Zimmer, superklein (die haben hier tatsächlich nur Einzelzimmer mit französischen Betten) aber relativ sauber. Das mit den ausschließlich französischen Betten gibt mir schon etwas zu denken, ist das etwa nicht nur ein Hotel zum Übernachten? Die Zimmer kosten 150 Birr pro Nacht (ca. 12 Dollar) und sind damit eigentlich schon recht günstig.

Die an der Rezeption und überhaupt alle im Hotel haben nicht die geringste Ahnung, dass man jemanden auch mit einem „Grüß Gott“, in welcher Sprache auch immer, begrüßen könnte, dass man irgendwann mal auch danke oder ähnliches sagen könnte, die sind muffig, unsympathisch, normalerweise würden wir uns umdrehen und gehen. Ist das einfach die Art der Äthiopier? Sind die von Haus aus unfreundlich, wirken die nur auf uns unfreundlich? Wir sehen aber auch praktisch nie jemanden lachen, da reicht`s mir dann eh immer schon…

Abends essen wir vorne im Restaurant (das für Afrika auch sehr ordentlich ist) noch Spaghetti Vegetable und trinken je 2 „St. George“-Bierchen, danach gehen wir todmüde ins Bett. Wir schlafen nicht gut, genau genommen gar nicht, irgendwie sind wir von den Leuten hier dermaßen genervt…

Während der schlaflosen Nacht nehme ich mir noch vor, dass ich dem nächsten Steinewerfer direkt vor die Nase fahre und ihm dann eine reinhaue, dass ihm hören und sehen vergeht. Irgendwie baut mich die Aussicht etwas auf!

Tag 35 – 09.08.2009 – Sonntag–Äthiopien –Fiche nach Addis Abeba

Heute sind es nur etwas mehr als 100 km zu fahren aber man weiß hier ja nie!

Wieder geht es durch absolut schöne Landschaft (alles erinnert irgendwie an die Schweiz aber mit roter Erde und Strohhütten, Kühe, Berge etc.: alles da!)

Irgendwie scheinen die Kinder, die die Tiere hüten heute entweder in der Kirche zu sein oder in der Schule oder irgendwie sonst weggesperrt. Heute ist es bei weitem am angenehmsten zu fahren seit wir hier sind.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch genügend Erwachsene gibt, die sich erblöden, irgendetwas zu schmeißen!

Es regnet, wir frieren etwas, natürlich haben wir die Heizgriffe eingeschaltet, der Regen hört dann aber wieder auf und wir kommen zügig voran. Von oben sehen wir die Riesenstadt Addis Abeba und als wir reinfahren sehen wir wieder als erstes eine megagroße Werbetafel: „bla, bla, bla-Firma: Your Cargo in best hands“! Wir halten an und fragen uns erneut, ob das wieder ein Zeichen ist, das wir nicht übersehen sollten. Soll das ein Hinweis sein, dass wir die Mopeds heimschicken? Wir haben uns für heute abends vorgenommen, eine Entscheidung zu treffen, wie wir weitermachen: „sollen wir weiter fahren, das ist wirklich nicht ganz ungefährlich?, sollen wir die Mopeds mit dem Flugzeug etwas weiter in den Süden schicken?, sollen wir sie nach Hause schicken?“ Mal sehen! Im Internet habe ich ein Hotel gefunden, das supergut und trotzdem billig sein soll, ob es so etwas gibt? Nach vielen Fragen fährt uns ein Äthiopier (der erste freundliche!!!! Der hatte vor Jahren auch mal ein BMW-Motorrad…) zum Hotel voraus, wir hätten das niemals gefunden.

Die Straßen sind absolut miserabel, teilweise wegen der Regenzeit überspült, Schlaglöcher ohne Ende.

Und das Hotel ist wirklich super, kostet 65 Dollar incl. Frühstück, die Zimmer sind sehr nett, mit allem Drum und Dran. Nicht weit weg eine Moschee, da plärrt des öfteren ein Muezzin mit ganz besonders schräger Stimme raus bzw. hat der Kerl diesen miesen Sound so wie es klingt auf Kassette aufgenommen und die Qualität lässt bei jedem Abspielen deutlich nach! Genau im ziemlich christlichen Äthiopien müssen wir eine Moschee vor der Nase haben! Es gibt aber durchaus was Schlimmeres.

Für heute nachmittags haben wir uns noch vorgenommen, uns ein bisschen durch Addis fahren zu lassen (wir geben dem Taxifahrer ein klares Ziel vor, der sagt uns, was das kostet und fährt los. Christian hat das GPS dabei, damit wir wieder zurück zum Hotel finden, und wir stellen fest, dass der Taxler dermaßen im Kreis fährt aber uns soll es recht sein, dann sehen wir alles ganz genau…) und dann noch einen Besuch bei der „German Bakery“ zu machen.

Das mit dieser Bäckerei haben wir zu Hause im TV bei Vox oder Kabel1 gesehen, da ist einer mit Familie nach Addis Abeba ausgewandert ohne dass irgendein Familienmitglied jemals in Afrika gewesen wäre. Ich glaube, die Kinder wussten gar nicht genau, wo Afrika liegt.

Jedenfalls ist das am Anfang total schief gegangen, die ganze Familie hatte praktisch kein Geld mehr, alles war weg und trotzdem hat die Familie unter unglaublichen Bedingungen durchgehalten. Das muss man durchaus auch mal respektieren! Vor allem, wenn man jetzt das Ergebnis sieht: Sonntags müssen die nicht mehr arbeiten, viele Angestellte schmeißen den Laden. Wir haben uns gleich ganz begeistert Krapfen zum Testen bestellt: ausgezeichnet, dazu Cappucchino und dann noch Nusshörnchen weil`s so gut ist! Und dann noch eine Käsesemmel, die Betonung liegt auf „Semmel“, die hat auch super geschmeckt, auf dem Käse war zwar mittelscharfer Senf aber selbst diese Zusammenstellung haben wir schon für zu Hause vorgemerkt. Jedenfalls alle Achtung, diese Familie hat wirklich was drauf, der ganze Laden voll mit einheimischer Schickeria oder Ausländern, auch ein UNO-Wagen steht vor der Tür! Schade, dass wir die Besitzer nicht gesehen haben! Addis Abeba scheint ansonsten ähnlich wie Karthoum halt eine afrikanische Großstadt zu sein. Noch anzumerken wäre, dass die hier dermaßen gesittet fahren, es ist wirklich angenehm, kein krankes Hupen um jeden Preis, einfach nur wenn`s nötig ist!

Abends müssen wir dann noch im Internet (hier im Hotel gibt`s Wireless LAN gratis!!!) über unser weiteres Vorgehen nachforschen.

Tag 36 – 10.08.2009 – Montag–Äthiopien –Addis Abeba

Nach einem guten Frühstück (das Hotel ist wirklich empfehlenswert, hat den seltsamen Namen „Adot Tina“), bei dem wir das erste mal seit geraumer Zeit auch wieder Butter bekommen (vor dem 2. Toast muss aber erst wieder der Generator angeworfen werden, der Strom ist ausgefallen und er Toaster toastet nicht…), fahren wir mit dem Hoteltaxi (das ist heute eines, bei dem wir nicht fürchten, dass genau unsere Fahrt die letzte sein wird) zum „Mercato“. Das soll lt. Lonely Planet der größte Basar/Markt Afrikas sein, man findet da über Stoffe, Gewürze bis hin zu Sachen, die einem kürzlich selbst gestohlen wurden (lt. LP) alles. Es soll aber auch sehr, sehr dreckig sein!

Der Taxifahrer gibt uns noch seine Nummer, dass wir ihn anrufen können, er holt uns überall wieder ab, wenn wir wollen. Wir steigen aus, schauen uns an und möchten ihn eigentlich am liebsten bitten, uns gleich wieder mitzunehmen. Es regnet leicht, der Dreck und Schlamm ist der totale Wahnsinn. Aber irgendwie interessant sieht es jetzt schon aus. Wir gehen ein riesengroßes Gebiet ab, trinken zwischendrin in kleinen netten Cafes ein Cola (die passen zu 100% nicht in die Umgebung, die sind richtig nett eingerichtet aber gleich draußen vor der Tür geht es mit Dreck und Wahnsinn weiter) und sehen das Stoffviertel, das Kanisterviertel, das Gewürzviertel, das Schuhviertel und vieles mehr.

Nach mehreren Stunden wird es uns aber ein bisschen zu viel, wir sind müde und hungrig und suchen ein Taxi, das uns ans andere Ende der Stadt zum „Friedship City Center“ (das soll eine Art Einkaufszentrum sein) fährt.

Dieses Taxi ist jetzt ein Fall für sich: wir sind beim Anfahren nicht sicher, ob da schon eine Achse gebrochen ist oder ob die am seidenen Faden hängt, ob die Radlager noch da sind und überhaupt! Den Berg hoch kann er noch mit ca.2 km/h fahren und dann stirbt der Karren ab. Er probiert es – weil`s ja jetzt wieder den Berg runtergeht - noch mit Anrollen, auch das geht aber nicht mehr, er rollt nur noch auf die Seite aus. Motorhaube auf, ein Passant muss irgendeinen Schlauch, der scheinbar Luft zieht, vorne zuhalten, er wieder rein ins Taxi, ein neuer Anlassversuch: keine Chance! Er stürzt wieder raus, ein weiterer Passant muss noch irgendetwas anderes zuhalten, er wieder rein und dann hüstelt der Motor, das nutzt der Fahrer aus und gibt extremstes Vollgas, er hört gar nicht mehr auf! Ich suche nach den Öffnungsgriffen für die Türen hinten, ich bin überzeugt, dass die Kiste gleich explodiert. Es gibt aber natürlich keine Griffe (die meisten Taxis hier haben einen Griff oder Draht für alle 4 Türen) und Christian meint, dass der sein Auto schon kennt! Und so ist es dann auch! Jetzt darf die Kiste nur bis zum Friendship City Center nicht mehr ausgehen, eine wahre Meisterleistung, die der Fahrer dann vollbringt!

Ganz überraschend dann doch noch am Ziel angekommen sehen wir dann ein Restaurant, das sauber ausschaut und gehen gleich rein. Wir bestellen beide Pizza, als die dann kommt sage ich noch zu Christian: „hoffentlich schmeckt die besser als sie aussieht!“ Der Käse schaut irgendwie so gestockt aus, wie nicht ganz geschmolzen und dann auch noch ein ziemlich blass. Aber die Pizza schmeckt wirklich gut, scheinbar macht man die hier so.

Im Anschluss gehen wir noch in den riesengroßen Supermarkt im Untergeschoss und sind begeistert von den langen Regalreihen. Erst dann sehen wir, dass die Regale irgendwie künstlich gefüllt sind: da stehen dann ganz vorne ca. 50 Reispäckchen der gleichen Sorte nebeneinander, im nächsten Regal 50 Haarsprays (dahinter aber nichts), dann 7000 Eier usw. Das kleine Shampoo, das wir suchen, ist ziemlich teuer (ca. 5 Dollar), ebenso die sehr kleinen Zahnpasten (ca. 1 Dollar pro Tube). Äthiopische Shampoos gibt es aber nur in 2 Liter-Flaschen, die sind einfach zu groß fürs Motorrad.

Wir suchen noch eine Apotheke, weil wir ja jetzt von der Kälte erkältet sind (nicht mehr wie bis vor kurzem von den Klimaanlagen gegen die Wahnsinnshitze)! Wir finden nicht, was wir suchen, aber der Apotheker gibt uns irgendeinen Hustensaft, der wird ja auch helfen!

Eigentlich möchten wir ja noch ein bisschen was im Internet machen aber es gibt keinen Strom (wie übrigens sehr, sehr oft hier in Äthiopien).
Bitte auf die Bilder klicken...

 

 

 

 


 

 

Piste in Äthiopien

Unterwegs...



Tag 37 – 11.08.2009 – Dienstag–Äthiopien –Addis Abeba nach Awassa

Gestern abends haben wir uns noch mit Ryan und Ian auf ein Bierchen in „Wim`s Holland House“ getroffen, dem Traveler-Meetingpoint in Addis Abeba. Da waren dann noch ca.10 andere Afrikareisende, es war noch ein sehr netter Abend.

Übereinstimmend wurde festgestellt, dass es ein totaler „Kulturschock“ ist, wenn man aus dem Sudan mit den wahnsinnig freundlichen Menschen nach Äthiopien kommt. Alle sind sehr genervt hier und vermissen die Gastfreundschaft und die zurückhaltende Art der Sudanesen! Zumindest möchte niemand mit Steinen beworfen werden! Und wir haben noch erfahren, dass die Menschen nicht nur auf Motorräder mit Steinen werfen sondern auch auf Autos, wenn sie diese als ausländische Autos erkennen. Wirklich sehr unschön. Auch Ian und Ryan haben diese Erfahrungen gemacht, auch ihnen wurden großen Steine während der Fahrt vor die Motorräder geworfen und direkt an den Helm, alles genau wie bei uns. 100 mal wird einem der Mittelfinger gezeigt, man möchte schon anhalten und die Leute fragen, was eigentlich ihr Problem ist, die Angst, dass die einem was tun, hält uns davon ab! Es war auch kein „Schönredner“ dabei, die Reisenden hier und die, die wir unterwegs treffen, finden, dass es e hier ganz schlicht und einfach eine (freundlich ausgedrückt) große Abneigung gegen Ausländer gibt!

Also heute morgen schnell auf die Motorräder und weiter Richtung Süden. Der Hotelmanager bringt uns freundlicherweise noch auf die richtige Straße Richtung Süden, dieses Hotel und die Mitarbeiter war insgesamt einfach super! Der Manager bittet uns noch, eine gute Bewertung bei „Tripadvisor“ (da haben wir das Hotel auch entdeckt) abzugeben, was wir auch ganz sicher machen werden.


Die Strecke von Addis ist über 100 km Richtung Süden nicht sehr schön, es gibt Industrie, schlechte Luft und nichts zu sehen. Wir fahren weiter und auf einmal ändert sich alles: die Strecke wird total schön, so was Afrikanisches haben wir bisher auf der Reise noch nicht gesehen: rote Erde, blaue Schäfchenwolken, Schirmakazien, Rundhütten, Felder mit Mais, Getreide und vielem mehr, Bananenhaine, unendliche Weite, traumhaft schön. Einer der allerschönsten Fahrtage bisher! Auf genau so etwas habe ich eigentlich seit nunmehr ca. 10.000km gewartet! Eine Augenweise und die Begeisterung kennt keine Grenzen!

Mehrere Stopps, wieder versuchen wir, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, aber im Endeffekt wollen alle nur Geld oder irgendwas anderes haben, schade, schade, weil es doch eigentlich sooo schön ist! Und mittlerweile sind wir auch so weit, dass wir das gar nicht mehr verstehen wollen, man kann ja viel akzeptieren aber für Steine werfen lasse ich sowieso keinerlei Grund gelten, so etwas macht man einfach nicht, Ende! An den Motorrädern kann es ja auch nicht liegen, die wurden in allen anderen Ländern ja auch akzeptiert, unser Verhalten hat sich auch nicht geändert, das wurde ebenfalls in allen anderen Ländern akzeptiert also muss es wohl doch an den Menschen hier liegen. Wir sind mittlerweile durch11 Länder gereist ohne jegliche Schwierigkeit mit den Leuten und dann das hier!

Ich bin fast etwas enttäuscht als wir in Awassa ankommen, die Fahrt durch die tolle Landschaft war einfach super! Hier finden wir dann das Hotel „Lake View“, das hat uns am Vorabend ein schottischer Motorradfahrer empfohlen, daran angeschlossen die Pizzeria „Dolce“. Der Besitzer ist nett, das Zimmer ist auch ganz gut eingerichtet und die Motorräder können wir hier im Hof praktisch direkt vor unserem Zimmer parken. Leider gibt es auch hier wieder keinen Strom aber Wasser ist da und heiß ist es auch noch. Abends duschen gehört irgendwie zu den ganz wichtigen Dingen wenn man den ganzen Tag unterwegs ist.

Wir warten mit essen gehen noch, bis Christians Fieber wieder etwas gesunken ist, das passt dann aber nach ca. 1,5 Stunden auch wieder. Wir gehen in die Pizzeria und möchten gern Pizza, die gibt es leider nur immer montags und freitags für jeweils 3 Stunden. Aber die Nudeln schmecken auch recht gut!

Awassa ist ein sehr schöner Ort, hier gibt es scheinbar ein bisschen Tourismus, hier kann man es schon aushalten!

Es ist auch hier sehr schwierig, Benzin zu bekommen, es klappt erst an der 6. Oder 7. Tankstelle.

Tag 38 – 12.08.2009 – Mittwoch –Äthiopien –Awassa nach Yabello

Wieder traumhaft schönes Afrika, wie aus dem Bilderbuch.

Das Hotel, das wir heute in Yabello erreichen, hat auch wieder kein Wasser und keinen Strom, ansonsten relativ sauber und auch ziemlich ausgebucht. Also können wir uns erstmal nicht duschen, vielleicht nach dem Abendessen?

Hier gibt es viele Kamelherden, ein Äthiopier, er heißt Achmasiu und ist der Sohn des Hotelbesitzers, der macht gerade ein Praktikum bei der UN und er wird auch als Vermittler zwischen den teilweise doch noch recht kriegerischen Stämmen im Omotal eingesetzt, verbringt mit uns den Abend im angrenzenden Restaurant und erzählt uns sehr interessante Geschichten.

Lt. Ihm gibt es in dieser Gegend keine wirklich armen Leute, die haben teilweise bis zu 800 Tiere, dazu 5 Frauen, viele, viele Kinder. Der reichste Mann aus dem Ort saß vor nicht allzu langer Zeit in einem UN-Fahrzeug mit voller Ausstattung und fand das recht toll. Die Leute haben gesagt, er müsste ja nur einige seiner Kamele verkaufen, dann könnte er auch so einen Wagen haben. Darauf er: sicher ist der Wagen super aber er hat viele Angehörige und Verwandte und da könnte er sich so etwas nicht anschaffen weil das Auto ja im Endeffekt keine Milch gibt!!! An und für sich sehr schlau aber bei einer einzigen Dürrekatastrophe würde er auch alle Tiere verlieren!

Letztes Jahr im Oktober hat Achmasiu zwischen 2 Stämmen im Omotal vermittelt, die haben sich ursprünglich gegenseitig Vieh gestohlen, das ist dann so ausgeartet, dass der eine Stamm 48 Angehörige des anderen Stammes getötet hat und umgekehrt 32 Menschen. Achmasiu hat erreicht, dass die Auseinandersetzung beendet wurde und der eine Stamm an den anderen für die 16 Menschen, die da mehr umgebracht wurden, 30 Rinder bezahlt wurden!!!! Seit dem läuft es zumindest bei diesen beiden Stämmen wieder friedlich weiter.

Wir vereinbaren, dass Achmasiu uns morgen zu m Stamm der Borano bringt.

Wir hatten ja zwischenzeitlich überlegt, ob wir über das Omotal nach Kenia fahren, da soll die Strecke wesentlich besser sein. Achmasiu sagt uns aber, dass das für uns allein nicht ratsam sei, dass es einfach zu gefährlich wäre. Damit hat sich diese Alternative erledigt!

Zurück im Hotel kommen tatsächlich auf erneute Anfrage noch ein paar Tropfen Wasser aus der Dusche, ich brauche ca. 15 Minuten bis ich das Shampoo wieder aus den Haaren raus habe.

Tag 39 – 13.08.2009 – Donnerstag –Äthiopien –Yabello nach Moyale

Morgens gehen wir wieder ins benachbarte Hotel zum Frühstücken, einige Touristen sitzen bereits da, die starten heute als Gruppe ins Omotal. Es sind in der Hauptsache Spanier, Italiener, Kanadier, die wir hier treffen. Und seltsamerweise berichten uns auch die als Gruppe jetzt, dass sie sich im Land nicht wohlfühlen und fragen uns, wie wir das sehen…

Wir bestellen 2 mal Fried Eggs, 2 Tea, Brot und 1 Cola. Nach einer halben Stunde kommt der Ober zurück, er hat insgesamt 4 Teller, auf jedem Teller sind 3 Spiegeleier, alle noch ziemlich roh. Wir wollen ihm sagen, dass wir nur 2 mal 2 Spiegeleier möchten, die bitte von beiden Seiten gebraten (damit sie eben nicht mehr roh sind) sein sollen. Das Brot lässt er Gott sei Dank da, wir haben schon Hunger. Nach weiteren 15 Minuten kommt er wieder, jetzt hat er auch nur noch 2 Teller dabei. Aber: wir kommen nicht drum rum, dass wir zu zweit 12 Spiegeleier zum Frühstück essen, die haben die Eier jetzt nochmal gebraten, haben unten auf den Teller 3 Stück gelegt und dann gespiegelt noch mal 3 oben draufgeschlagen! Na ja, dann halt jetzt 12 Frühstückseier! Das ist dann der Punkt, wo ich mir denke, dass man auch bei größten Missverständnissen leicht drauf kommen könnte, dass etwas nicht stimmt: da sitzen 2 Leute, die essen doch wahrscheinlich keine 12 Eier zum Frühstück!!!!! Wir amüsieren uns aber schon so drüber, dass wir jetzt einfach mal essen….Dann kommt der UN-Praktikant Achmasiu, der ist darüber aber gar nicht so erstaunt…. Gott sei Dank fragt er, ob er die restlichen Eier oder einen Teil davon haben kann!

Vormittags brechen wir mit ihm Richtung Omovalley auf, gleich nach der Ortschaft dürfen wir erst mal nicht weiter, unser Fahrer hat genau mit dem Typen von der Travelpolice, der da steht, persönlichen Ärger und dazu keine Lizenz, von hier aus weiter zu fahren. Irgendwie regeln die das dann aber doch noch und es geht auf sehr schlechter Straße steil bergauf. Irgendwann stoppt der Fahrer, wir steigen aus und gehen in die Berge zum Dorf rauf, da gibt es keine Straße mehr. Der Dorfbesuch ist sehr interessant, vor allem ist das kein „ursprüngliches Touristendorf“ sondern die leben hier tatsächlich so: ganz, ganz einfach. Dadurch, dass wir unseren Führer dabei haben, den sie kennen, sind die Leute recht nett zu uns, schön!

Die Frauen haben einen unglaublich weiten Weg zur Wasserstelle, die Kinder hier gehen nicht zur Schule, der Weg wäre viel zu weit.

Dann steigen wir auf die Mopeds und fahren zur Grenze nach Moyale. Wir haben beschlossen, im äthiopischen Moyale zu übernachten, Achmasiu hat uns gesagt, dass hier das einzig erträgliche Hotel im Grenzbereich wäre. Da halten wir dann auch an. Im Außenbereich sieht es recht nett aus, der Portier zeigt mir auch ein Häuschen, die sind riesengroß, darin 2 Doppelbetten und eine Schlafmatraze. Das Bad sieht sehr, sehr ungepflegt aus aber was soll man machen, wenn das schon das beste Hotel ist. Im Zimmer riecht es brutal nach Benzin, nach Generator, ich frage den Portier, ob hier normalerweise der Generator läuft, er zeigt aber nur auf die Bodenleiste, die umlaufend frisch gestrichen ist. Im Lack ist scheinbar so viel Lösungsmittel, das ist vollkommen unerträglich. Er zeigt mir das Häuschen daneben, auch da steht der Lack schon vor der Tür, das ist als nächstes mit Streichen dran. Das nehme ich dann, innen riecht es nur komisch, nicht nach Lösungsmittel.

Das Zimmer kostet 150 Birr, das sind ca. 12 Dollar. Auch hier: Wasser erst ab 18 Uhr, ich frage, ob er es nicht schon um 17Uhr aufdrehen kann, verspricht er dann auch. Aber: um 17 Uhr gibt es dann wieder keinen Strom mehr und so funktioniert auch das Wasser wegen der Pumpe nicht! Vielleicht um 19Uhr. Wir essen noch etwas im Garten, es wird aber so schnell dunkel, dass wir die Taschenlampe brauchen.

Nachher funktioniert das Wasser angeblich, ich gehe ins Bad und mache die Dusche an, Fehler! Mit den paar Wassertropfen, die da rauskommen und dem Licht, das jetzt im Bad ist, habe ich auch die Heerscharen von Kakerlaken aktiviert. Außerdem stinkt es im Bad unerträglich, ich habe zwar vorhin schon Christians halbes Deo versprüht, damit man das Bad überhaupt betreten kann, das half aber nur ca. 5 Minuten lang! Wir beschließen, die paar Wassertropfen nicht auszunutzen, uns graut es dermaßen, dass wir auf das Duschen verzichten – und das heißt was! Wir putzen uns noch die Zähne aus dem Fenster raus und nehmen Mineralwasser für die Katzenwäsche.

Nächtens sucht Christian die Toilette auf, ich sehe, dass er als erstes Kakerlaken auf dem Boden zertritt, damit er zum Klo durchkommt! Pfui Teufel, wie eklig!!!!

Fazit Äthiopien: Einmalige Landschaften, eines der schönsten Länder, die ich je gesehen habe, für die Leute haben aber über mehr als 2000 km, die wir hier gefahren sind, keinerlei Sympathie hinzugewonnen! Schade um Äthiopien!
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Bei den Borano in Südäthiopien

...dito

Aktualisierung: 2010/06/14 - 08:49 / Redakteur: Webmaster
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