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Turkmenistan

Was soll man dazu sagen??




Ein Polizeistaat

Die Einreiseformalitäten halten sich trotz schlimmster Vorhersagen in Grenzen. Ich sag mal so: in einem demokratischen europäischen Land würde ich mich über jeden einzelnen dieser idiotischen Hamperer beschweren, hier ist das aber von den Schikanen her unterster Standard. Bereits an der Grenze zum Iran habe ich begonnen, „Führungen und Durchsuchungen“ von unserem Wohnaufbau zu übernehmen. Ich habe den Eindruck, dass diese Typen vor Frauen diesbezüglich mehr Respekt haben. Als erstes lasse ich jeden, der herein will, mal seine Schnürstiefel ausziehen: No shoes!!! Und zwar in einem Ton, der keine Zweifel offen lässt. Ich deute noch vorwurfsvoll auf einen Putzlappen, der auf der Schmutzmatte liegt und deute an, dass ich keinerlei Lust habe, den Dreck Ihrer Stiefel wegzuputzen. Mindestens die Hälfte schreckt das ja schon mal ab, die verschwinden wieder…

Auch hier an dieser Grenze wird nur wenig kontrolliert und auch nur das, was ich will.

Kurz vor Ashgabat gibt es nochmal eine Polizeikontrolle, 2 besonders Wichtige meinen, Sie müssen rein, ich stelle mich in den Eingang, deute ihnen vor Publikum an, dass sie ihre elendig hohen Schnürstiefel auf der Straße ausziehen müssen und sage noch: anders kommt ihr 2 Deppen mir nicht rein… Das verstehen die natürlich nicht, es gibt einem selbst aber wenigstens ein bisschen das Gefühlt, dass man sich nicht total schikanieren lässt. Im Ergebnis verzichten die 2 übrigens auf die Besichtigung!



ASHGABAT UND DIE ERDMÄNNCHEN

Eine Hauptstadt mit 6-spurigen Straßen und Marmorhochhäusern erwartet den Besucher etwa 40 Kilometer hinter der Grenze. Großkotzige Gebäude säumen die Straße und wäre dieser größenwahnsinnige Herrscher nicht schon seit ein paar Jahren tot, man sollte ihn mit den Füßen nach oben 2 Monate an den Pranger hängen und ihn im Anschluss zum Abschuss freigeben! Klingt vielleicht hart, ist aber genau so gemeint.

Hier hat sich ein hirnamputierter Irrer mit dem Intelligenzquotienten eines Erdmännchens (sorry an alle Erdmännchen!!!) auf Kosten einer ganzen Nation seine Träume erfüllt (Straßen mit beleuchteten Begrenzungslinien, ein Olympiastadion, wo es niemals eine Olympiade gab, ein von Menschen leergefegtes „Präsidentenviertel“ mit Lichtspielen und Brunnen, die Las Vegas erblassen lassen….). Und der Nachfolger könnte ein Bruder sein…

Als ich die ersten Menschen sehe, frage ich mich tatsächlich, ob die echt sind, sie schauen so unwirklich aus wie die ganzen Marmorhochhäuser. Peter meint, ich solle doch mal einen antippen, wenn er dann umfällt ist er aus Plastik, wenn er mich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, ist er echt. ☺


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PRÄSIDENSKI APPARATSKI

An der Grenze zu Turkmenistan haben wir Daniela und Peter, 2 sehr nette deutsche Overlander getroffen und beschlossen, mit Ihnen zusammen bis zum Gaskrater in der Mitte von Turkmenistan zu fahren. Nachdem wir einen Nächtigungsplatz gefunden haben, brechen wir gleich auf ins benachbarte 5 Sterne Hotel Turkmenistan Grand Hotel. Hier wollen wir nach Wochen der Abstinenz unser erstes Bierchen zischen. Gesagt, getan, der Ober in der „Lounge“ hängt ganz gelangweilt hinter der Theke und hat vermutlich noch nie jemanden bedient… Daniela und ich machen uns auf, befragen ihn nach Bier und nach ca. 5 Minuten weiß er auch schon, was wir wollen! Für schlappe 29 US Dollar bekommen wir dann 3 Bier und 1 Fanta. Und weil er so aufmerksam ist, runden wir auch gleich noch auf 30 Dollar auf.

Mit Daniela und Peter wagen wir abends noch, auf den Platz zu gehen, auf den wir lt. Reiseführer irgendwie eigentlich nicht gehen sollten, kurz gesagt, der Platz ist für Ausländer scheinbar tabu. Wir wollen das aber einfach sehen.

Kaum angekommen läuft aus einer Ecke ein Soldat zu uns her: wir müssen hier sofort weg und bloß keine Fotos! Wir tun jetzt mal so, als wären wir hirnmäßig auf dem unteren Niveau unterwegs und als ob wir überhaupt nichts verstehen würden. Wir nicken ihm zu, gehen aber einfach weiter. Schon kommt der nächste Uniformierte aus seiner Stellung, kurz vor einem Herzinfarkt erklärt es uns, dass wir hier sofort verschwinden sollen und keinesfalls Fotos machen dürfen. Christian fragt noch, warum, die Antwort: Präsidenski Apparatski (oder so ähnlich…)! Ja dann passt doch alles, genau hier wollten wir doch hin, wir sind also richtig.

Auch hier machen wir wieder auf „vier Volldeppen aus Deutschland“ und marschieren weiter. Wir wollen doch diese Straße, deren Begrenzungsstreifen aus Plexiglas bestehen und die von unten beleuchtet sind, mit eigenen Augen sehen. Jetzt kommt aber einer, dem hebt es vor lauter Aufregung fast schon die Uniformkappe vom Kopf: raus, weg…, ok, wir haben eh alles gesehen und ein bisschen fotografiert habe ich ja auch schon. Und für alle anderen: die Straße ist wirklich von unten beleuchtet, also bei Gelegenheit unbedingt anschauen, gibt`s vermutlich kein zweites Mal!

Mittlerweile habe ich mir schon mehrfach überlegt, dass diese Uniformmützen, die nach oben auseinandergehen und die oft in diesen Ostblockrepubliken eingesetzt werden, dem Betrachter das Gefühl geben sollen, dass da mehr Hirn dahintersteckt… Ist da was dran??? Ich kann es nicht bestätigen!

Übrigens: in Turkmenistan bezahlt man eine Strafe, wenn man sein Auto nicht sauber geputzt hat!!! Wirklich…


EIN OASENDORF, DAS ALLMÄHLICH VOM SAND VERSCHLUCKT WIRD

Bilder sagen mehr….


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AM GASKRATER, EIN ECHTES HIGHLIGT, WUNDERBAR!

Wir fahren am nächsten Tag durch die heißeste Wüste Zentralasiens zum Gaskrater. Eigentlich braucht man lt. Lonely Planet einen Führer, ansonsten findet man weder rein noch jemals wieder raus. Mangels Führer (wo sollen die denn sein????) finden wir den Krater aber tatsächlich mit einigen Schwierigkeiten auch so.

Die Anfahrt durch Tiefsand steil rauf und runter meistert unser Bock und natürlich auch Christian grandios (Training, Übung vorher, was ist das????). Angekommen am Krater sind wir dann nur noch begeistert, einfach toll! Von einem Hügel haben wir einen noch besseren Blick in den Krater, der folgendermaßen entstanden ist: Probebohrung nach Gas, Gas kommt, Fachmänner sagen, das lohnt sich nicht, da kommt zu wenig…, ein besonderer Schlaumeier kommt nochmal zurück mit einem weiteren Fachmann: also, damit kein Gas mehr rauskommt, brennen wir diese Funzel jetzt ab, in spätestens 2 Stunden hört das auf zu brennen…: puff, puff, Riesenexplosion, Krater von ca. 150 Meter Durchmesser und ca. 70 Metern Tiefe wird um die Funzel rausgesprengt, Gas brennt seit mehreren Jahrzehnten… Ja hallo, war das ein Irrtum?

Dieses Highlight wird jetzt natürlich vom turkmenischen Tourismusministerium (das es wahrscheinlich eh nicht gibt!!!) nicht als Special ausgewiesen und auch nicht durch Schilder etc. angezeigt, da es sich ja im Endeffekt um einen Riesenfehler handelt!

Insgesamt sind wir 3 Fahrzeuge mit insgesamt 6 Menschen im Kratergebiet, es ist unglaublich ruhig und wahnsinnig schön! Natur pur, eine Herde Kamele zieht direkt am Bock vorbei, ein Kamel kommt zu uns an den Tisch, scheinbar sind wir exakt auf deren Route. Schöne Tiere, die Sonne geht unter, später kommt noch eine andere Herde, die Tiere stehen direkt am Kraterrand, welch ein Schauspiel! Hinter einem Berg kommt dann noch der Vollmond zum Vorschein, irre. Wir würden hier sehr gern noch eine Nacht bleiben, tagsüber kommt man hier aber wahrscheinlich vor Hitze um, am Vortag hatte es etwa 37 Grad, nächtens kühlt es aber schön ab.



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DER PRÄSIDENT IM 40-TONNER AUF DEM WEG VON ASHGABAT NACH KÖNYE URGENCH

Ein abschließender Wunsch an die Bevölkerung von Turkmenistan: zwingt Euren aktuellen Präsidenten, im 40-Tionner mehrmals die Strecke Ashgabat - Könye Urgench zu fahren! Wir können kaum glauben, dass es auf der Welt eine solche unfassbar schlechte Hauptstraße gibt. Badewannengroße Schlaglöcher zwingen zur Fahrt auf der auch schon sehr schlechten Sandpiste neben der Straße, Umleitungen wie im Urwald, eine absolute Schande. Was sagt einer aus Könye Urgench, wenn er über zig Kilometer Schlaglöcher nach Ashgabat kommt und die unterleuchteten Straßen sieht???

Doch noch angekommen parken wir bis zum morgigen Grenzübertritt nach Usbekistan auf einem Parkplatz im Ort. Wir sehen, dass wir direkt neben UNESCO-Welterbe stehen, auch nicht schlecht… Aber hier muss man sich selbst auf dem Parkplatz mit Pass registrieren und als Krönung werden wir noch gefragt, wann das zweite Auto (das von Daniela und Peter) kommt!!! Wenn das kein Überwachungsstaat ist, wir gehören nämlich nicht zusammen….


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Aktualisierung: 2014/08/01 - 12:34 / Redakteur: Webmaster
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