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Tadschikistan

Der Pamirhighway



SCHÖN, SCHÖN UND SOOOO INTERESSANT UND ANDERS….

Erstmal wieder die Ausreise aus Usbekistan: Urplötzlich stehen wir an der Grenze, ein Kasache regt sich gleich auf, weil wir uns nicht in der LKW-Schlage anstellen wollen. Der kapiert einfach nicht, dass wir keine Waren dabei haben und deshalb nicht als LKW gelten…

Irgendwann kommen wir dann an der usbekischen Seite zur Ausreise dran, die Usbeken sind bei der Ausreise genauso blöd und pingelig wie bei der Einreise. Ich zeige einem Beamten wieder mal unseren Wohnkoffer.

Seit Deutschland habe ich ja schon mein jodelndes Murmeltier dabei, heute will ich das einsetzen. Ich zeige ihm 2 Fächer, dann das Fach mit der Medizin, darauf sind die hier ja besonders scharf, weiß der Teufel, warum! Ich ziehe die Schublade auf, darin liegt die extra für die Grenzer vorbereitete Medizin. Er schaut rein, für die Medizin hat er keinen Blick übrig. Er sieht einzig ein plüschiges braunes Ding, das dazwischen gedrängt ist. Er zeigt erst vorsichtig drauf, dann drückt er, als wolle er überprüfen, ob „das“ noch lebt. Schnell reiße ich das Murmeltier aus der Schublade, halte es ihm 5 cm vor die Augen und drücke den Jodelknopf. Er erschrickt total, zuckt zurück, schaut mich ganz entgeistert an und lacht sich dann halb kaputt. Und so ist die „Wohnungsdurchsuchung“ schnell vorbei. Deppen, die nicht wissen, was Privatsphäre ist, sind die Grenzer trotzdem!

An der tadschikischen Grenze wird Christian von jedem Grenzer persönlich mit Handschlag begrüßt. Ich gehe schon lange zu keinem mehr hin, weiß ich, ob mir jemand die Hand gibt oder nicht. So gebe ich sie schon mal keinem. Das normale Prozedere geht wirklich sehr schnell, hier wird wieder ausgefüllt, man muss nicht selbst schreiben. An der Grenze gibt es ewig viele Blumen, Stockrosen, Rosen..., richtig schön. Aber dann kommt der Zoll: als erstes wollen sie mal 20 Dollar, dann 100 Dollar, wir wissen nicht genau wofür, da wir aber für beides eine Quittung bekommen, gehen wir davon aus, dass das seine Ordnung hat (die Quittungen werden einem bei Ausreise aber wieder abgenommen!). Allerdings arbeiten lt. Christians Beschreibung hauptsächlich Penner beim Zoll, einmal der Unterlehrling ohne Funktion, der mittlere Angestellte als Schreibheinz vom Chef und dann eben noch der Chef. Der Chef lässt sich den Chef so richtig raushängen, allerdings nur so lange bis der Oberchef ihn anruft. Ein unterwürfiges „Salam Aleikum, Chef“, dazu kneift er ganz offensichtlich die A………. zusammen ☺

LKW-Fahrer erzählen mir draußen, dass es mit ein paar Scheinchen zwischen den Papieren deutlich schneller gehen würde, das kommt aber nicht in Frage, zur Not verbringen wir eben eine Nacht an der Grenze!


AUF NACH DUSCHANBE

Irgendwann geht es dann doch weiter, wir wollen aber nur hinter dem nächsten Dorf in die Berge zum Übernachten fahren. Ein superschöner Standplatz bietet sich an, schnell noch alles herrichten, bevor es ganz dunkel wird. Wie auf einer Schweizer Alm, echt schön. Da dies heute der heißeste Tag der gesamten bisherigen Reise war (über 40 Grad), hoffen wir, dass es nachts etwas abkühlt. Ein richtig starker Wind kommt auf, Gott sei Dank! Allerdings wird dieser Wind mitten in der Nacht zum ausgewachsenen Sturm, wir haben den Eindruck, dass es auch nachts nochmal heißer wird. An Abkühlung und Schlaf ist praktisch nicht zu denken! Zu allem Überfluss kommt dann noch irgendein Irrer, der hupt und schreit, Christian schreit auch aus dem Fenster, dass er sich schleichen soll und wir morgen eh weiterfahren, alles natürlich auf Deutsch. Und siehe da, er schleicht sich…


TADSCHIKISTANS STRASSEN UND TUNNELS

Am nächsten Tag haben wir noch kein tadschikisches Geld, da werden wir gleich an der ersten Zahlstelle für Straßengebühren vermutlich übers Ohr gehauen. 15 Dollar für praktisch nichts? Wir wissen es aber noch nicht… In der nächsten Stadt wechseln wir und kaum sind wir wieder auf der Straße, geht es so richtig mit gutem Geld weiter von Zahlstelle zu Zahlstelle. Und wenn die Straßen ok sind, ist auch das Bezahlen ok. Denken wir uns… Bis dann der schlechteste Tunnel der Welt kommt, unfassbar tiefe Schlaglöcher, wir fahren endlos lange dahin, es ist ein absoluter Albtraum. Keine Beleuchtung, die Straße im Tunnel mit mehr als badewannengroßen Schlaglöchern übersäht, die meisten mit dem Wasser gefüllt, das von irgendwoher in den Tunnel eindringt. Keine Beleuchtung, keine Belüftung, wenn man das nicht gesehen hat, glaubt man das nicht!!! Wir sagen gleich am Anfang, dass wir sehr hoffen, dass der Tunnel wenigstens nicht lang ist. Später erfahren wir, dass er12 Kilometer lang war. Auch alle anderen Reisenden, die wir treffen, hatten das gleiche Albtraumfeeling.


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1250_Auch-im-Tunnel-Tadschikistan_Oybek_Dushanbe_IMG_8838.jpg 1251_Auf-der-anderen-Seite-gehts-gleich-steil-runter-Tadschikistan_Oybek_Dushanbe_IMG_8466.jpg 1252_Da-koennte-man-schon-Angst-bekommen-Tadschikistan_Oybek_Dushanbe_IMG_8478.jpg



LKW-WAAGEN UND TADSCHIKISCHE UNIFORMIERTE

Nicht weit hinter dem Tunnel sehen wir seitlich eine Waage für LKWs. Wir fühlen uns natürlich nicht angesprochen, wir haben ja keine Waren an Bord. Ich höre ein Pfeifen, denke mir aber, dass es von einem Murmeltier kommt (gibt es die hier??? Später festgestellt: ja, es gibt sie…). Weitere Pfeiftöne ordne ich ebenfalls den Murmeltieren zu. Auch Christian hört es, hofft aber auch, dass es nicht uns gilt. Einige Kilometer weiter werden wir dann von einem russischen PKW in Kriminalfilmmanier überholt, der PKW schneidet vor uns rein und 5 wutentbrannte tadschikische Polizisten und was weiß ich was springen aus dem Auto. Der oberste Hanswurst holt seine Amtsplakette aus der Hosentasche und steckt sie sich an, vor lauter Zorn verliert er die aber gleich wieder… Also folgende Sachlage: 5 tadschikische Uniformdeppen sind erzürnt, dass wir ihr Murmeltierpfeifen überhört haben. Ich zeige ihnen noch hinten den Koffer, mache extra die Tür auf, damit sie sehen können, dass wir keinesfalls mehr als 12 Tonnen wiegen können… Keine Chance, sie sehen zwar, dass es so ist, tadschikische Uniformierte darf man aber einfach nicht übergehen. Wir fahren also zurück, nach dem Wiegen wären sie auf einmal freundlich. Mich können sie aber mittlerweile natürlich mal kreuzweise… Ich möchte eigentlich mit 2 Fingern auf die Augen zeigen, mit einem Finger ans Hirn und dann mit einem weiteren Finger ein Rädchen simulieren… (heißt: Augen auf, schauen, sehen, Hirn einschalten, kapieren, weiterfahren lassen…). Christian sagt aber gleich, dass ich aufhören soll, ich würde uns noch ins Gefängnis bringen. Ich schaue die Typen also dann doch nur an, verdrehe die Augen und schüttle den Kopf. Ob sie`s verstanden haben, was ich meine, vermutlich nicht? Wohlgemerkt wären eine halbe Stunde später auch 60 Tonnen erlaubt gewesen!


SPEKTAKULÄR SCHÖNE LANDSCHAFT BIS DUSCHANBE



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DUSCHANBE: EINE BAUMSCHULE WIRD ZUM MOSLEMFRIEDHOF UND: DIE STADT WIRD ÜBERSCHWEMMT

Wie fast schon üblich kommen wir auch heute sehr spät an unserem Ziel an: Duschanbe

Aus dem Navigationssystem suchen wir eine „Berghütte“ für die Übernachtung aus, die Navigation endet aber in einem Glasscherbenviertel von Duschanbe, bloß weg hier! Wir suchen und suchen nach einem ruhigen Platz und werden auf einem Hügel endlich fündig. Ich sage zu Christian noch: das wird sicher eine ruhige Nacht, wir stehen direkt neben einer Baumschule. Christian schaut sich diese „Baumschule“ noch etwas genauer an und meint dann: es wird sicher totenstill heute Nacht, deine Baumschule ist ein Moslemfriedhof! Na gut, dann halt neben einem Friedhof (einen solchen habe ich bisher noch nicht gesehen, da wird scheinbar bei jedem Grab ein Baum ein Baum gepflanzt).

Am nächsten Tag geht ein unglaublicher Wolkenbruch über Duschanbe nieder. Die Stadt wird richtiggehend überschwemmt. Die Einwohner sind total gelassen, Geschäftsmänner im Anzug, Schüler in ihren Uniformen und auch viele Frauen gehen oder laufen einfach ohne Regenschirm im Regen weiter. Alle triefen vor lauter Nässe…


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DIE SCHÖNE SÜDROUTE: DUSCHANBE BIS CHORUGH

Wir treffen die Schweizer Ruth und Walter in Duschanbe wieder und beschließen, die schönere Südroute bis nach Chorugh gemeinsam zu fahren. Was schöner heißt, wissen wir zu diesem zeitpunkt noch nicht so genau, wir hoffen erstmal auf endlich schöne Straßen. Diese sind auch bis etwa zum Präsidentenwohnsitz die nächsten 100 Kilometer garantiert, man glaubt es nicht, welch schöne Straßen der Tadschike bauen kann, wenn dies vom Präsidenten befohlen wird. Hat er wohl keinen Bock auf miese Straßen, der unglaubliche Sympath!

Im Endeffekt brauchen wir für die etwa 600 Kilometer knapp 3 Tage, das Wetter und damit die Straßen sind teilweise einfach zu schlecht! Die Strecke ist zwar landschaftlich wirklich einmalig schön, wir würden sie auf jeden Fall wieder fahren, die Straßenverhältnisse sind aber sagenhaft schlecht! So viele schlechte Straßen hatten wir bisher noch in keinem Land.

Am ersten Tag ist noch alles gut zu fahren (zwecks Präsidentenwohnsitz…), wie schauen uns auch noch den höchsten Schüttstaudamm der Welt an. Auf der weiteren Strecke haben wir teilweise absolut einmalige Ausblicke! Wir finden ziemlich spät oben in den Bergen einen zwar schönen aber wirklich lauten Stellplatz. Wir haben den Eindruck, dass alle Baumaschinen aus ganz Tadschikistan in dieser einen Nach von den Bergen herunter gebracht werden, wofür auch immer.

Es wäre besser gewesen, diese Maschinen da zu lassen, wo sie sind, die Straßen sind sagenhaft mies!

Der nächste Tag fängt schon mit Regen an, die Straße wird unglaublich schlecht, sehr steil geht es bergab, genau genommen zum Ausflippen! Irgendwann besteht alles nur noch aus Schlamm und wir freuen uns zwar, dass kein Gegenverkehr kommt, fragen uns aber schon, warum das so ist! Und dann sehen wir auch unten angekommen eine lange Schlange LKWs, alle stehen. Ein Erdrutsch! Keinerlei Durchkommen mehr, Felsen versperren die Straße, Wasser schießt aus den Bergen herunter. Gott sei Dank hat es wenigstens niemanden getroffen.

Nach längerer Wartezeit kommen große Räumfahrzeuge aus der anderen Richtung daher, die räumen in ca. 1 Stunde das ganze Durcheinander zumindest soweit frei, dass die ersten Fahrzeuge wieder durchfahren können. Natürlich verzögern einige Gschaftler, die wieder mal die ersten sein wollen, alles noch mehr, sie bleiben im Schlamm stecken! Aber was soll`s, Hauptsache, dass wir heute noch weiterkommen. Zum Übernachten finden wir ein lauschiges Plätzchen direkt am Grenzfluss zu Afghanistan. Anja und Stefan aus Deutschland gesellen sich noch dazu. Das klingt jetzt so als wären da jede Menge Overlander unterwegs, dem ist aber keinesfalls so, die, die wir treffen, sind spärlichst zu finden!


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IMMER ENTLANG DER AFGHANISCHEN GRENZE

Wir fahren die nächsten Tage immer an der afghanischen Grenze entlang, irgendwie schon spannend! Oft ist Afghanistan zum Greifen nahe, man kann sehen, wie die Leute drüben leben. Teilweise gibt es -zig Kilometer nur Eselspfade, keinerlei Auto oder LKW. Nur der Grenzfluss trennt uns von einem doch recht unbekannten Land. Natürlich ist drüben alles wesentlich interessanter als hier, Afghanistan, wie interessant.


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In Duschanbe hieß es ja noch, dass der Pamir Highway seit geraumer Zeit gesperrt wäre, weil in Chorugh die Polizei ein paar Drogendealer erschossen hätte und die Pamiris daraufhin einige Häuser niedergebrannt hätten. Für den Pamirhighway braucht man ja nochmal eine Sondergenehmigung, die man gleich mit dem Visum beantragen muß, Tadschike ist nicht gleich Pamiri, auch da gibt es wieder gewaltige Unterschiede…

Eine Militärkontrolle wollte uns aus eben diesem Grund nicht durchlassen (Christian war mit den Pässen unterwegs, ein Militärheinz sitzt bei mir im Führerhaus und zeigt mir beispielhaft an seinem Hals, dass die sich in Chorugh gerade die Kehlen durchschneiden…). Sie hätten strenge Weisung von oben (bedeutungsvoll zeigt er Richtung Himmel!!!), dass sie keinen durchlassen dürfen. Mir geht der Typ ja schon gewaltig auf die Nerven, da ich aber keinerlei Lust habe, zurückzufahren, habe ich diesem Deppen erlaubt, dass er mal die Hände auf das große Lenkrad legt, so tut als ob er lenken würde und dann habe ich noch seine furchtbaren Goldzähne bewundert. Er hat mir daraufhin seinen Polizeiausweis gezeigt, ich habe noch gesagt „aha, FBI!“. Da ist er fast ausgeflippt vor lauter Stolz. Geht`s eigentlich noch?!? Wir haben die Typen dann bei Ihrer Ehre gepackt (so nach dem Motto: ja habt ihr hier denn gar nichts zu sagen?) und nach langem Hin und Her haben sie uns dann doch in eine Liste eingetragen und passieren lassen. Ansonsten hätten wir diese gesamte Albtraumstrecke incl. Tunnel zurück fahren müssen und dann wieder ein Visum für Usbekistan besorgen müssen, da es durch Tadschikistan aktuell keine erlaubte Alternative gibt.


CHORUGH NACH ISHKASHIM

Wir können kaum glauben, dass wir tatsächlich erst nach 3 Tagen Chorugh erreichen und nehmen - wieder mal spät abends - für 9 Dollar pro Person pro Fahrzeug das Bad eines Zimmers und Frühstück. In Chorugh sehen wir dann tatsächlich die ausgebrannten Häuser und wir erfahren, dass der gesamte Pamir Highway bis heute gesperrt war.


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1350_Chorugh-abgebrannte-Haeuser-Tadschikistan_Dushanbe_Chorugh_IMG_1438.jpg 1351_Chorugh-abgebrannte-Haeuser-Tadschikistan_Dushanbe_Chorugh_IMG_1441.jpg 1352_Friedhof-Tadschikistan_Chorugh_Ishkashim_IMG_1462.jpg


Wir machen noch ein paar Besorgungen und fahren dann die erste heiße Quelle etwa 35 Kilometer hinter Chorugh links rein an. Eine ziemliche Enttäuschung, alles eigentlich im kleinen Stil und ziemlich verdreckt.

Die erste Übernachtung mit 3 Fahrzeugen auf einem schönen Stück Land direkt an einem Fluss ist wunderbar. Wir schlafen 11 Stunden und merken da erst wieder mal, wie müde wir eigentlich sind. Zuhause hätten wir jetzt ja schon 18 freie Wochenendtage gehabt, auf Reisen geht es immer nur weiter… Die nächste Nacht wollen wir hier allein verbringen, unsere Mitreisenden fahren weiter. Plötzlich kommt einer und sagt, dass das sein Grundstück ist, wir sollen umgerechnet 4 Dollar zahlen. Das machen wir auch, wenn wir denn dann unsere Ruhe haben.

Eine Stunde später kommt ein Auto mit 5 Personen, schnell steigen sie aus, einer vom Militär, einer von der Polizei, einer ist der Fahrer und die anderen sind was weiß ich wer, irgendwelche Wichtigtuer halt. Sie wollen die Ausweise sehen und schauen nach, ob wir auch die erforderliche Sondererlaubnis für dieses Gebiet im Pass eingestempelt haben. Haben wir! Einer macht sich dann vor lauter Neugier hinten rum schon wieder zu unserer Wohnung auf, ich renne hin, steige hinten ein und sage ihm: „No, niet!“ Er kapiert das schnell und verzupft sich. Sie sagen noch „no problem“ und fahren alle wieder ab. Die sind gut weiter.

Wir haben aber noch ein weiteres Problem, das allmählich ganz schön nervt. Ein paar halbstarke Jugendliche sitzen seit Stunden in der Hocke ganz nahe am Fahrzeug und blicken starr auf den Eingang. Eine Stunde wäre ja ok, zwei Stunden sind schon ziemlich hirnrissig, nach 3 Stunden fragt man sich, wie blöd die eigentlich sein müssen und nach 4 Stunden ist die Frage: sind die noch ganz dicht? Mir wird das jetzt zu blöd und ich mache ihnen deutlich, dass es wirklich schön wäre, wenn sie allmählich mal das Weite suchen würden! Irgendwie begreifen sie das nicht, ich werde etwas deutlicher. Scheinbar war das zu deutlich, sie rotten sich irgendwo mit den restlichen Idioten des Dorfes zusammen, kommen wieder und fangen an, Steine zu werfen. Uns reicht`s, wir verschwinden.

Übrigens: solche Halbdeppen gibt es weltweit, fast alle anderen Tadschiken und Pamiris, die wir bisher getroffen haben, sind ausgesprochen nette Leute! Bitte keine Mails und Kommentare, dass ich das zwecks fehlender Bildung etc. verstehen müsste…, das tue ich schon, genervt hat es trotzdem!

Wir fahren noch das nächste Dorf an, wo das Tal etwas weiter ist und finden einen sehr schönen Platz zum Übernachten. Eine Pamirifamilie will uns noch zum Essen und Teetrinken einladen, wir verschieben das auf morgen, für heute reicht es uns!


ENTZÜCKENDE KINDER UND DIE NETTE GROSSMUTTER

Nach einer ruhigen und kühlen Nacht schaue ich beim Frühstück aus dem Fenster und entdecke drei äußerst entzückende kleine Mädchen, die ganz neugierig schauen. Das Frühstück wird unterbrochen, ich muss sie unbedingt fotografieren! Die drei schüchternen Mädchen werden in Position gestellt, danach gibt es zur Belohnung Stifte, Blöcke und Bonbons. Die Großmutter kommt aus dem Haus und klärt mich auf, dass eines der Mädchen „Ruski“ sei. Aber Cousinen sind sie schon und reizend sind sie auch alle drei! Wir trinken noch kurz Tee, bedanken uns für den schönen Stellplatz und fahren dann zügig los.


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ISHKASHIM – ABGELEGEN, INTERESSANT UND KOMPLETT OHNE INTERNET

Man wähnt sich hier tatsächlich am AdW. Der AdW ist aber nicht so schlecht, wie sich das vielleicht anhört. Hier ist es ruhig, unglaublich ruhig. Man geht in ein Geschäft zum Kauf von Marmelade, Milch und Brot. Ir gehen gleich ins „größte“ Geschäft, es gibt weder Marmelade noch Milch noch Brot. Naja, macht nichts, dann eben beim nächsten Laden. Aber auch da: zig verschiedene Kekssorten, zig verschiedene Bonbons, keine Marmelade, kein Brot, keine Milch. Im Sprachführer zeigen wir auf Tomaten: ja, hat sie, Gott sei Dank! Zügig geht sie zum Regal und holt eine Dose mit Tomaten raus. Wir verzichten, später reut es uns aber, so hätten wir wenigstens irgendwas gehabt! Dann gibt`s halt Dosenspaghetti, die schmecken ja auch gut!

Internet: Fehlanzeige, im ganzen Ort und mindestens 100 Kilometer keinerlei Internet, auch nicht übers Handy oder irgendwie sonst. Gerade telefonieren kann man mal! Internet gibt es ja normalerweise überall, teilweise mit einer Langsamkeit, die einen zu Tränen rührt aber eben doch Internet.

Überraschung: irgendwie ist das auch sehr schön, dass es kein Internet gibt, sehr schön sogar. Ich kann speziell auf News der Art, dass die Merkel dem Gabriel irgendwelche Unwichtigkeiten mitgeteilt hat, gern verzichten. Nur Mails wären wieder mal schön, wir hatten jetzt mangels Nächtigung in größeren Städten bzw. Zeit schon länger keinen Mailkontakt mehr.


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ISKASHIM – DER AFGHANENMARKT IST EIN ABSOLUT INTERESSANTES HIGHLIGHT

Angekommen in Ishkashim erfahren wir als erstes, dass der Afghanenmarkt seit Wochen wegen der Schießereien auf dem Pamirhighway nicht stattgefunden hat. Wir bleiben an diesem Ort am Ende der Welt extra 2 Nächte und hoffen, dass der Markt am kommenden Samstag erlaubt wird. Man gibt, damit man auf den Markt darf, an der tadschikischen Grenze seinen Pass ab, dann darf man über die Brücke und den Markt besuchen. Wenn man wieder zurückkommt, händigen einem die zuständigen Grenzer den Pass wieder aus. Unsere Hoffnung auf diese einmalige Chance wird erfüllt, nach langem Hin und Her wird der Markt am Samstag etwas verspätet aber doch eröffnet. Für mich persönlich ein Highlight der Reise, haben wir so doch die Chance, mit Menschen aus Afghanistan kurz in Kontakt zu kommen. Es ist alles super interessant, die Menschen lassen sich auch noch gern auf Nachfrage fotografieren, toll!!! Die Waren sind zum Großteil Krempel aus China aber es gibt auch afghanische Tücher, Spiegel, viele Fälschungen, Gewürze, afghanisches Essen, einmalig. Wie gut, dass wir gewartet haben. Ungern verlasse ich nach mehr als 2 Stunden den Markt, Christian zieht es schon wieder zum Bock, wir müssen weiter…


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VON ISKASHIM ZUR ÜBERNACHTUNG AUF 4000 METER HÖHE UND WEITER NACH MURGHAB

Unglaublich enge Haarnadelkurven, beängstigend enge Straßen (wenn man denn noch von Straßen reden kann) und direkt daneben endlose Abgründe kosten mich teilweise die letzten Nerven.

Allerdings: die Landschaft ist unglaublich schön, die Leute unterwegs sind wahnsinnig nett und dieser Abschnitt ist einer der schönsten überhaupt, Abenteuer pur. Es ist irgendwann spätabends, keine abgelegene Übernachtungsstelle in Sicht, wir beschließen, dass wir direkt neben der Straße auf ca. 4000 Metern Höhe bleiben. Kaum ausgestiegen zum Fotografieren leibt mir schon fast die Luft weg…. Kein Mensch kommt mehr vorbei an diesem Abend und die ganze Nacht auch nicht und auch am nächsten Tag treffen wir erst nach ca. 4 Stunden Fahrt das erste Fahrzeug. Der „Highway“ wird spärlich befahren, wie schön! Nur passieren sollte nichts, dann würde es mehr als schlecht ausschauen. Die Straßen am nächsten Tag werden noch enger, alles noch näher an und unter den Felsen, am liebsten würde ich umkehren. Aber unser Motto lautet ja: es geht nur nach vorne, immer weiter.


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MURGHAB: DER CONTAINERBASAR, SKURILLES AN JEDER ECKE…

Eine Fototour durch den Ort bringt mich mit den Menschen hier schnell zusammen. Ein paar Mädchen kommen gerade vom Englischkurs, sie begleiten mich und erzählen mir einige interessante Geschichten. English lernen kosten hier z.B. Geld, es gibt spezielle Kurse, die aber nicht allen offenstehen. Sie bringen mich zum Haus einer ihrer Freundinnen, die leider kein English kann. Man merkt gleich, dass die in einer sehr armen Familie groß geworden ist, die Möblierung ist spärlich, viele Geschwister zeigen sich sofort, das kleinste von allen wird dann auch noch hervorgeholt und stolz präsentiert.

Im Ort gibt es einen Basar, so einen habe ich bisher noch nie gesehen: alle Geschäfte sind in ehemaligen Schiffs-Containern untergebracht. Woher die bloß alle kommen? Die Waren sind sehr teuer, selbst das ewige Gummibrot ist vergleichsweise teuer. Und dabei schmeckt es ja nicht mal im Ansatz, es wird schon alt und leicht gummiert verkauft! Wir treffen zwei Tramper wieder, die wir bereits in Ishkashim gesehen haben und freuen uns sehr. Beide erzählen, dass sie extreme Schwierigkeiten haben, weiter Richtung Kirgisien zu kommen. Wir vereinbaren, wenn die zwei bis morgen niemanden gefunden haben, nehmen wir sie bis zur Grenze mit. Sie sind im Guesthouse Erali untergebracht, wir beschließen, uns auch da hinzustellen und die Duschen zu nutzen. Endlich wieder mal lange und ausgiebig duschen wäre schon schön! Nach etwa einer Stunde sehen ich den Mann der Wirtin immer wieder mit 2 Eimern ins Dorf gehen und zurück…, der wird doch wohl nicht das Wasser für unsere Dusche aus dem Ort hier hochtragen???? Doch und dann erwärmen sie das mit ebenfalls mühsam angeschlepptem Holz im „Duschofen“. Um 19Uhr zeigt mir die Wirtin, wie das alles funktioniert: im größeren Behälter ist heißes Wasser, im kleineren kaltes Wasser, der Eimer davor ist zum Mischen und die rote Schöpfkelle ist dann zum Rausnehmen und über den Kopf kippen! Ich glaube, ich spinne. Ich trau mich fast nicht, warmes Wasser rauszunehmen, wenn ich bedenke, dass auch Christian, Will und Jon noch duschen wollen. Mit nur dem nötigsten Wasser beende ich die Aktion „ausgiebig duschen“ schnell und schleiche mich zurück zum Bock. Manchmal ist es schon Wahnsinn, wie wenig die Leute haben und mit wie wenig manche so ein Guesthouse betreiben. Die absolute Freundlichkeit vom Wirtsehepaar lässt einem den fehlenden Luxus schnell vergessen.


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1500_Lenin-gruesst-wieder-Tadschikistan_Ishkashim_Karakul_IMG_4148.jpg 1501_Murghab-2-nette-Maedchen-kommen-aus-dem-Englishkurs-Tadschikistan_Ishkashim_Karakul_IMG_4289.jpg 1502_Murghab-Basar-Tadschikistan_Ishkashim_Karakul_IMG_4055.jpg



VON MURGHAB ÜBER DEN SCHÖNEN KARAKOL BIS ZUR KIRGISISCHEN GRENZE



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Aktualisierung: 2014/08/01 - 11:52 / Redakteur: Webmaster
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